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Drittes Kind – ja oder nein?

Ja oder nein zum dritten Kind

 

Eine Familie zu grĂŒnden stellt Paare vor ganz besondere Herausforderungen.

Gerade mit dem ersten Kind es eine spannende Angelegenheit, alles ist neu und ungewohnt. Das Leben Ă€ndert sich komplett und stellt alles auf den Kopf, die eigenen Gewohnheiten Ă€ndern sich, der Berufsalltag muss an die BedĂŒrfnisse des Kindes angepasst werden und die eigenen werden hinten angestellt. Alles zum Wohle des Kindes. Auch finanziell und zeitlich Ă€ndert sich mit einem Kind einiges.

Jedes Kind eine Herausforderung

Jede frisch gebackene Mutter kennt das: FĂŒr eine PedikĂŒre ins Nagelstudio gehen lohnt sich nicht mehr, das Geld wird lieber in die teuren Windeln investiert und auch das wöchentliche Treffen mit den Freundinnen im Fitnessstudio fĂ€llt oft flach weil einfach freie Zeit nicht mehr vorhanden ist. Dennoch haben Kinder einfach so enorm viel zu geben und so freunden Eltern sich meist schnell mit den neuen Gegebenheiten an. Nach dem ersten Kind stellt sich bei vielen noch gar nicht die Frage ob es irgendwann ein drittes Kind geben soll.

Manchmal schnell, manchmal erst nach einem gewissen Abstand kommt der Wunsch nach einem zweiten Kind auf. Dann ist lĂ€ngst nicht mehr alles neu und ungewohnt, wir wissen was auf uns zukommt, kennen die verschiedenen Entwicklungsstufen vom sĂŒĂŸen Baby zum Trotzkind. Die hĂŒbschen Marken-Baby-Schuhe werden kein zweites mal gekauft und auch der Alltag ist Routine geworden. Wir sind gelassener geworden, haben stĂ€rkere Nerven entwickelt.

Kinder kosten einem den letzten Nerv, man muss das ehrlich sagen, denn es ist so. Und trotzdem: Wir lieben unsere Kinder und wir können sie nicht mehr weg denken, stattdessen schwanken wir doch immer wieder um die Frage: „Vielleicht noch eins?“ Und so geschieht es eben dann auch all zu oft: ein zweites Kind ist unterwegs. Ca. 35 Prozent der deutschen Familien entscheiden Ă€hnlich.

Noch mehr Kinderreichtum – vielleicht ein drittes Kind? Ja? Nein?

Wer immer noch nicht genug hat (das klingt negativer als es gemeint ist 🙂 ), plant das dritte Kind. Immer seltener allerdings kommt das heutzutage noch vor, dass nach dem zweiten Kind noch der Wunsch nach einem dritten Kind aufkommt. Nur etwa 10 Prozent aller Eltern hatten 2014 drei minderjĂ€hrige Kinder. HĂ€ufiger hingegen sind die sogenannten „NachzĂŒgler“ oder gemein gesagt „UnfĂ€lle“ – schlichtweg ungeplante, aber meist dennoch ebenso heiß geliebte dritte Kinder mit grĂ¶ĂŸerem Abstand zu den Geschwistern.

Warum Familien immer seltener mehr als zwei Kinder haben

Woran liegt das?

  • finanzielle Aspekte allgemein
    ZunĂ€chst muss natĂŒrlich bei aller Liebe auch der finanzielle Aspekt angesprochen werden, was nicht heißen soll, dass sich nur reiche Familien ein drittes Kind leisten können. Dennoch kostet jedes weitere Kind Geld, wer bereits zwei Kinder hat, kann realistisch kalkulieren, welche Kosten weiterhin entstehen werden. (hier findet ihr eine recht gute Kalkulation dazu in der FAZ) Oft ist es auch MĂŒttern nach dem dritten Kind, je nach Altersabstand zu den Geschwistern, nicht mehr möglich arbeiten zu gehen.
  • fehlender Wohnraum
    Auch die wohnliche Situation sollte hinterfragt werden, wenn tatsĂ€chlich ein drittes Kind in der Familienplanung steht. Oft teilen sich zwei Geschwister ein Zimmer, je nach Geschlecht und Altersunterschied kann aber selbst das auf lange Sicht nicht funktionieren. Ein weiterer Raum muss also frĂŒher oder spĂ€ter geschaffen werden und auch mehr Platz in der ganzen Wohnung. Womöglich ist es sogar notwendig umzuziehen damit alle sich mit dem gegebenen Wohnraum langfristig wohlfĂŒhlen. Auch das kann zukĂŒnftig mehr Geld kosten. Die meisten Familien wĂŒnschen sich neben großer WohlflĂ€che fĂŒr alle auch einen Garten um den Kindern auch zwischendurch genĂŒgend Spielmöglichkeiten zu geben.
  • auch im Auto wird’s eng
    FĂŒr viele eine der auffĂ€lligsten VerĂ€nderungen mit einem dritten Kind ist der Wechsel zu einem grĂ¶ĂŸeren Auto. Denn das Familienauto muss entsprechend Platz und Sicherheit bieten können. Mit drei Kindern sind grĂ¶ĂŸere, gerĂ€umigere Autos natĂŒrlich sinnvoller. Sei es nun fĂŒr mehr AusrĂŒstung und GepĂ€ck fĂŒr die Urlaubsfahrten oder fĂŒr die EinkĂ€ufe im Supermarkt. Ein großer und gerĂ€umiger Kofferraum ist unabdingbar wenn beispielsweise zwei KinderwĂ€gen gleichzeitig untergebracht werden sollen. Auch die Ausstattung des Autos ist bei vielen Kindern wichtig. Zwar achtet man schon beim ersten Kind auf einen hohen Sicherheitskomfort, bei drei Kindern steigt allerdings das Risiko fĂŒr den Fahrer. Kinder untereinander verursachen wĂ€hrend der Fahrt und gerade bei lĂ€ngeren Fahrten gerne einmal krach und lenken den Fahrer somit ab. Je grĂ¶ĂŸer das Automodell, umso leichter sind diese Ablenkungen fĂŒr den Fahrer zu verkraften. Vor allem die Kindersitze mĂŒssen im Auto weiterhin fachgerecht eingebaut werden können. Ein gerĂ€umiger Innenraum ist also unabdingbar. Nur selten haben drei hochwertige Kindersitze auf dem RĂŒcksitz gemeinsam Platz. FĂŒr viele lohnt sich auch die Anschaffung eines Kleinbusses, beispielsweise dann, wenn auch ab und an Freunde mit genommen werden sollen oder viel und lange gereist werden soll. Sicherheit sollte hier oberste PrioritĂ€t haben. Die Unterbringung von drei Kindern im alten Auto ist oft nicht einfach, aber machbar wenn man sich fachgerecht beraten lĂ€sst oder gut informiert und sĂ€mtliche Sicherheitsvorkehrungen, im Auto und bei den Kindersitzen, beachtet. (einen ganz ausfĂŒhrlichen Artikel zum Thema Familienauto gibt’s auch hier)
  • das Thema gleiche Aufmerksamkeit fĂŒr alle
    Auch der Wunsch mehr Zeit fĂŒr seine Kinder haben zu können, wĂ€chst mit jedem weiteren Kind. Doch die wenige freie Zeit gilt es dann noch mehr aufzuteilen. Wer also ein drittes Kind plant muss sich das auch in Punkto „verfĂŒgbare Zeit“ auch leisten können – so hart das klingen mag. Bekommt das Einzelkind ein Geschwisterchen so ist bei diesem hĂ€ufig Eifersucht im Spiel. Das ist auch absolut normal und logisch, denn die Mutter muss sich zwangslĂ€ufig immer mehr um das Neugeborene kĂŒmmern, als um das Erstkind. Meist stellt sich aber dann bei richtiger Erziehung (und einer grundsĂ€tzlichen Sympathie der Kinder untereinander 🙂 ) eine richtige Geschwisterliebe ein und die Sorgen des Erstkindes verschwinden mit der Zeit. Ein drittes Kind hingegen wirbelt die Konstellation von zwei Kindern noch einmal gewaltig auf. Das Ă€lteste Kind wird oft verantwortlich fĂŒr die Geschwister gemacht, das Neugeborene fordert wiederum alle Aufmerksamkeit und das zweite steht in der Mitte. Man spricht oft vom so genannten Mittelkind und es ist schwierig als Mutter, allen Kindern immer die gleiche Aufmerksamkeit und FĂŒrsorge zukommen zu lassen.
    (>> hier zum Artikel „Wie bereite ich mein Kind auf ein Geschwisterchen vor“)
  • Betreuung wird schwieriger
    Nicht zu unterschĂ€tzen ist auch das Thema Betreuung. Klar, Schul- und KindergartengebĂŒhren werden mit weiteren Kindern oft gĂŒnstiger. Doch in Punkto private Betreuung wird es mit jedem weiteren Kind schwieriger. Oma und Opa, Verwandte oder Freunde versorgen die eigenen Kinder bei Bedarf meist gerne, doch umso mehr Kinder – umso mehr Aufwand fĂŒr die betreuenden Personen. Gerade ĂŒber Nacht wird es oft eng mit Angeboten.

VĂ€ter in großer Verantwortung

NatĂŒrlich können die MĂŒtter die Sorge fĂŒr drei Kinder nicht immer alleine tragen, auch wenn es mittlerweile viele geschiedene, verwitwete oder getrennt lebende MĂŒtter mit mehr Kindern gibt, die das irgendwie doch stemmen können (Hut ab vor euch Frauen!). Ideal ist diese Konstellation natĂŒrlich nicht. VĂ€ter sollten mit jedem Kind mehr auch mehr Verantwortung ĂŒbernehmen und unterstĂŒtzend wirken. Sei es nun finanziell, bei der Erziehung, der BeschĂ€ftigung oder bei Krankheit.

Keine Nachteile ohne Vorteile

Nach all den vielen Bedenken die Eltern vor der Entscheidung zu einem weiteren Kind haben – wer seine Familie mit einem dritten Kind erweitern möchte, der weiß doch im Grunde sehr wohl um die vielen Aufwendungen, die es zu meistern gilt – kennt eben aber auch die andere Seite!

Jedes Kind ist eine Bereicherung und wir alle lieben unsere Kinder, seien es nun nur eines oder vier.

  • Viele Kinder bringen natĂŒrlich auch viel Leben in eine Familie und das kann auch eine Menge Spaß bringen.
  • Werden die Kinder Ă€lter oder ist das Erstgeborene mit einem gewissen Altersabstand geboren, so können diese auch mal Verantwortung fĂŒr die kleineren Geschwister ĂŒbernehmen. Meist tun diese das auch gerne, passen öfter einmal auf die kleineren auf.
  • Auch Geschwister profitieren in der Entwicklung voneinander, lernen nicht nur von den Eltern, sondern auch von den Geschwistern. Oft werden Kinder mit Ă€lteren Geschwistern und somit Vorbildern, schneller selbststĂ€ndiger und orientieren sich an den grĂ¶ĂŸeren. Diesen Effekt lernen Einzelkinder beispielsweise erst ab Beginn des Kindergartens von fremden Kindern.
  • Die Eingewöhnung in den Kindergarten oder einer Ă€hnlichen Einrichtung fĂ€llt Zweit, – oder Dritt-kindern oft leichter als den ersten.

Was nun? Ein drittes Kind – Ja oder nein?

Ja ein drittes Kind birgt viele Herausforderungen, finanziell, zeitlich und organisatorisch.

Unsere Vorstellungen vom wahren GlĂŒck, unsere AnsprĂŒche und unsere Belastungsgrenzen sind völlig unterschiedlich. FĂŒr jeden kann ein anderes Lebensmodell die ErfĂŒllung sein. Ein drittes Kind die Familie erst komplett machen und unbeschreiblich viel Freude und Spaß in die Familie bringen. Wenn die Rahmenbedingungen grundsĂ€tzlich die VergrĂ¶ĂŸerung der eigenen tollen Familie ermöglichen, so gilt es wohl auf das eigene BauchgefĂŒhl zu hören, sich mit dem Partner abzustimmen und gemeinsam einen Weg zu gehen.



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Kommentare

Trude 24. MĂ€rz 2017 um 22:17

Ich persönlich finde, dass die Frage nach dem dritten Kind hier sehr einseitig dargestellt wird. Überwiegend wird die Kleinkinder Zeit betrachtet. Wie steht es mit dem Erwachsenenleben? Wenn bei drei oder mehr Geschwistern eines etwas zu feiern hat, Geburtstag, Hochzeit… können zwei Geschwister gemeinsam Ideen sammeln und etwas schenken! Wenn ein Geschwisterkind Probleme hat, können die ĂŒbrigen Geschwister gemeinsam unterstĂŒtzen. Je weniger Kinder, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit dass die Kinder in der WohnortnĂ€he der Eltern bleiben. Je mehr Kinder, desto eher ist es wahrscheinlich, dass zumindest eines von ihnen in der NĂ€he bleibt. Und noch spĂ€ter, wenn die Eltern pflegebedĂŒrftig werden, verteilt sich die Last auf mehrere Schultern. Die Geschwister, die weiter weg wohnen, können dann bei der Pflege der Eltern in Urlaubsphasen unterstĂŒtzen. Viele Kinder bedeuten im Schnitt auch viele Enkelkinder. Enkelkinder liegen möglicherweise mehrere Jahre auseinander, was fĂŒr viele Jahre oder Jahrzehnte viel Freude bedeuten kann. Manche alte Menschen vereinsamen. Je mehr Kinder und Enkelkinder ich habe, desto eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass mich ab und an jemand besuchen kommt. Außerdem noch ein trauriger, aber möglicher Aspekt. Wenn einem Kind etwas zustĂ¶ĂŸt , auf die falsche Bahn gerĂ€t oder sich einfach von der Familie abwendet, ist es vielleicht etwas mehr tröstlich, wenn noch mehrere Geschwister ĂŒbrig bleiben. Nicht gut sortiert, aber ein paar schnelle Gedanken.

Antworten

Diana 18. Mai 2018 um 22:17

Finde fragwĂŒrdig, wenn man davon ausgeht, dass die Kinder „fĂŒr die Eltern in der NĂ€he bkeuben@ bzw. sogar die Pflege der Eltetn ĂŒbernehmen. DafĂŒr bekomme ich keine Kinder, denn diese Belastung sowohl physisch als auch psychisch möchte ich meinen 2 Kindern auf keinen Fall zumuten!

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Helena 19. November 2018 um 22:17

Ich glaube, so war der Kommentar auch nicht gemeint. Ich habe ihn so verstanden, dass diese Punkte einfach mal zusÀtzlich betrachtet werden sollten da sie im Artikel fehlen, und nicht als alleinige Pro-Argumente gelten sollten.

Ich stimme grundsĂ€tzlich zu, dass das nicht der alleinige Grund sein sollte. Die primĂ€ren GrĂŒnde sollten sicher solche sein, die gut fĂŒr die Kinder sind und nicht nur fĂŒr die Erwachsenen. Dennoch ist es ja auch eine, wenn die DIE große Lebens-Aufgabe fĂŒr die Eltern und ich finde, dass die BedĂŒrfnisse aller in die Wagschale geworfen werden sollten, und es somit auch erlaubt sein sollte, sich als Eltern zu fragen wie es denn sein wĂŒrde, wenn die Kinder einmal erwachsen sind…

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Sandra 26. November 2018 um 22:17

Wunderbar geschrieben ❀

Antworten

Nadine 28. Oktober 2017 um 22:17

Hallo Lisa!Ein sehr schöner Blog und interessant zu lesen! Liebe GrĂŒsse Nadine

Antworten

Anna 18. Juli 2018 um 22:17

Hallo,
Ich habe selbst zwei Kinder 4 Jahre & 9 Monate und bei uns stellt sich auch die Frage nach dem dritten Kind. Aber ich denke auch, man muss sich nicht fragen möchte ich ein drittes Baby sonder möchte ich ein drittes Kind! Die ersten drei Jahre sind anstrengend keine Frage aber danach kommen nochmal min 20 Jahre als kind, jugendlicher und junger Erwachsener. Und die Frage im Alter ist absolut berechtigt, denn darum grĂŒndet der Mensch eine Familie … um nicht alleine zu sein. Ich bekomme keine kinder damit ich mal Pflegepersonal habe aber damit ich dann jemanden zum reden habe sehr wohl. Ich selbst habe drei Geschwister, heute sind wir alle erwachsen und ich liebe es eine so große Familie zu haben man hat immer jemanden zum reden, der einem auch mal hilft, die Kinder wachsen gemeinsam auf etc. Das sind alles Dinge ( bzw. Vielleicht 70 Jahre) die man neben den anstrengenden ersten Jahren vielleicht auch mal bedenken sollte. Die Zukunft in einer großen Familie ist meist viel schöner.

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