Skip to main content

Wie kann man seinem Kind Fahrradfahren beibringen?

Mutter bringt Kind Fahrradfahren beiManchmal fühlt sich das Eltern-Dasein an, wie ein kleiner Wettkampf. Da wird mit den Fähigkeiten der Kinder geprahlt: „Mein Kleiner kann schon schwimmen!“, „Mein Kind zeichnet bereits Menschen MIT Fingern“, „Meins kann schon bis dreißig zählen“…Ob man möchte oder nicht, schnell hinterfragt man die Fertigkeiten der eigenen Sprösslinge und das eigene Engagement in gewissen Bereichen. Denn, vieles das die eigenen Kinder bereits können, hat lediglich damit zu tun, was wir mit ihnen üben. Sprich, eben auch wo unsere eigenen Interessen liegen, worauf wir selbst wert legen oder was der Alltag eben so hergibt. So ist es nicht verwunderlich, dass Kinder die auf dem Land aufwachsen meist sehr viel schneller lernen Fahrrad und Co. zu fahren als Bewohner eines städtischen Mehrfamilienhauses an der Hauptstraße. Denn, es bedarf einfach weit mehr Aufwand Möglichkeiten zu bieten Fahrradfahren zu lernen. Wie aber kann man seinem Kind Fahrradfahren beibringen, wenn es das nicht (dank der gegebenen guten Möglichkeiten) schon von selbst tut?

In welchem Alter sollten Kinder Fahrradfahren lernen?

Den Zeitpunkt bestimmt das Kind

Warum möchten wir dem Kind beibringen Fahrrad zu fahren? Diese Frage gilt es sich zu stellen, noch bevor über das richtige Equipment und den perfekten Ablauf nachgedacht wird. Kinder lernen am einfachsten, wenn ihnen etwas Freude bereitet. Deshalb sollte das Interesse Anlass dafür sein dem Kind Fahrradfahren beizubringen, nicht der reine Übereifer der Eltern. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Das kommt von selbst. Auf dem Weg zum Kindergarten unserer Tochter wurden wir immer häufiger von gleichaltrigen Kindern mit dem Fahrrad überholt. Als dann die beste Freundin ebenso flott an der Kleinen vorbeizog, folgten die ersten Bitten: „Mama, ich möchte auch Fahrradfahren können.“ Zwar hatten wir die ersten Übungsstunden eher für den Sommer geplant und nicht unbedingt bereits für dieses Jahr angesetzt, doch wo schon das Interesse da ist, kann man das ruhig nutzen. Unsere Tochter war bei den ersten Versuchen gerade vier geworden. Das Alter allein aber ist kein Anlass dem Kind Fahrradfahren beizubringen. Denke ich an meine eigene Kindheit zurück, so war es durchaus üblich erst weit später die ersten Versuche zu wagen.

Laufrad-Fahrer sind die früheren Fahrrad-Fahrer

Warum Kinder heute früher Fahrradfahren, erklärt sich eigentlich von selbst. Laufräder gehören heute zur Standard-Ausrüstung fast jeden Familienhaushaltes. Die pedallosen kleinen Fahrräder sind der ideale Einstieg um später einmal das richtige Fahrradfahren zu lernen. Schon mit zwei bis drei Jahren sind Kinder durchaus in der Lage zu verstehen, wie sich ein Laufrad anschieben lässt. Statt in die Pedale zu treten bekommen die Kinder Schwung in dem sie mit den Beinen anschieben.
Während zu Beginn das Laufrad lediglich lange Wege erleichtert (weil man bequem sitzend die Beine etwas entlasten kann), wird daraus schnell ein richtiges Flitze-Gerät. Denn, die Geschwindigkeit, die Kinder mit einem Laufrad erreichen können, sollte man nicht unterschätzen. Die Gefahren beim Lernen auf einem Laufrad sind weit geringer als beim Fahrradfahren, da die Geschwindigkeit langsam vom Kind selbst gesteigert werden kann. Ab einem gewissen Tempo nehmen die Kinder dann automatisch gerne die Beine nach oben und trainieren so, die wichtigste Fertigkeit für das spätere Fahrradfahren: den Gleichgewichtssinn.

Vorteil zum Fahrrad: Die Gefahr zu fallen ist nur gering, da die Kinder die Beine immer nahe dem Boden haben, wenn sie unsicher sind. Weil keine Pedale am Rad sind, können die Kinder außerdem schnell die Beine auf den Boden stellen, sobald sie das Gleichgewicht verlieren.

Vorbereitung

Keine Frage: Die richtige Einstellung des Fahrrades und das nötige Equpiment legen den Grundstein für ein sicheres Fahren. Ein Helm und gegebenenfalls Knie- und Ellenbogenschützer sind daher unumgänglich, wenn es darum geht, die ersten Blessuren so gering wie möglich zu halten. Vor allem in Bezug auf den Helm sollte daher (auch von gesetzlicher Seite) Rücksicht auf die passende Größe genommen werden. Ein idealer Helm sitzt auch dann noch fest und sicher, wenn das Kind den Kopf in alle beliebigen Richtungen schüttelt. Aufgrund neuester Entwicklungen schränken auch Knie- und Ellenbogenschoner die Bewegungsfreiheit der Kleinen nicht mehr ein, was deren Benutzung (auch wenn diese nicht gesetzlich vorgeschrieben ist) noch attraktiver macht.

Die Tatsache, dass Fahrräder in der heutigen Zeit mit Hinblick auf die Einstellungen von Lenker und Sattel nahezu grenzenlos individualisierbar sind, stellt die Eltern häufig vor die Frage nach der richtigen Höhe. Generell gilt, dass die Kinder mit den Fußballen im Sitzen bequem den Boden berühren können sollten, um sich im Notfall oder an einer roten Ampel abzustützen.

Vom Laufrad zum Fahrrad – nur ein kleiner Schubs

Sind es wirklich die Eltern, die dem Kind Fahrradfahren beibringen? Tatsächlich bedarf es kaum einer Beihilfe der Eltern den Kindern das Fahrradfahren beizubringen, wenn sie zuvor bereits Laufrad gefahren sind. Denn, der Gleichgewichtssinn ist dank zahlreicher Übungsstunden auf dem Laufrad meist wunderbar geschult. Auch das Anhalten mit einer Bremse am Lenkrad wurde meist schon hunderte Male geübt. Um nach dem Laufradfahren das Fahrradfahren zu lernen, bedarf es eher den Mut der Eltern. Nämlich den Mut los zu lassen. Hält man das eigene Kind am Sattel oder Lenker fest hat man häufig nicht das Gefühl, die Kleinen würden tatsächlich die Balance halten. Doch das Gefühl trügt gerne. Denn die Kinder haben auf dem Laufrad gelernt, kleine Schwenker sofort mit dem Lenkrad auszugleichen. Meist genügen wenige Meter, bei denen das Kind lernt, nun nicht mehr den Füßen anzuschieben, sondern die Pedale zum Fahren zu nutzen. Dann kommt es auf einen Versuch an, bei dem sich meist schnelle Erfolge zeigen. Trotzdem sollte man bei den ersten freien Fahrten immer neben dem Kind herlaufen um im Zweifelsfall eingreifen zu können.

Wie lernt ein Kind Fahrradfahren auch ohne Laufrad?

Das erste Mal auf einem Fahrrad zu sitzen ohne Vorerfahrung durch ein Laufrad macht vielen Kindern erst einmal Angst. Denn, besonders die Überwindung die Beine auf die Pedale zu stellen und damit den Halt zu verlieren, macht ihnen Angst. Deshalb sollte man die ersten Versuche nicht aus dem Stand heraus wagen. Besser ist es, dem Kind durch das Halten am Sattel oder einer
Fahrradlernhilfe (eine Haltestange am Sattel) erst einmal ein Gefühl für das Treten in die Pedale zu ermöglichen. Der Blick sollte immer nach vorne gehen, je weniger die Kinder sich auf das Treten selbst konzentrieren, desto flüssiger fahren sich die ersten Meter auf dem Fahrrad. Dann wird eine große Portion Mut nötig um auch einmal loszulassen. Insbesondere Mütter, die ihrem Kind das Fahrradfahren beibringen, neigen erfahrungsgemäß dazu, ihre Kinder vor kleinen Stürzen und blauen Flecken bewahren zu wollen. Dennoch zeigen Studien, dass besonders dieser Beschützerinstinkt dazu beitragen kann, Kinder zu verunsichern. Auf den ersten freien Metern mit dem Fahrrad ist es daher immer sinnvoll, das Kind mit schnellerem Schritt zu begleiten aber nicht ständig an das Fahrrad zu greifen. Auf ein Festhalten an Jacke oder Lenkrad ist jedoch in jedem Fall komplett zu verzichten, da derartige Aktionen erst recht zu Stürzen führen können.

Für die ersten eigenen Startversuche ist eine leicht(!) abschüssige Straße sinnvoll, da die Kinder sich hier weitaus leichter tun, dem Fahrrad genügend Schwung zu geben um die Beine sicher vom Boden weg zu nehmen um in die Pedale zu treten. Auch lernen sie hier stärker zu treten, wenn auf dem Rückweg die Straße leicht ansteigt.

Kontraproduktiv: Stützräder

Die früher noch so beliebten Stützräder schaffen es heute nur noch an die wenigsten Fahrräder. Sie machen lediglich Sinn, wenn die Kinder noch keinerlei Erfahrung mit dem Treten von Pedalen gemacht haben, was heute aber nur sehr selten der Fall ist. Ansonsten haben sie gerade beim Fahrradfahren einen eher negativen Effekt: Kinder, die lernen mit Stützrädern Fahrrad zu fahren, neigen gerne dazu sich stark auf diese Räder zu verlassen und lehnen sich mit dem vollen Gewicht auf die Räder, anstatt in Kurven oder bei Schlenkern die eigene Balance zu trainieren. Häufig ist auch zu beobachten, dass Kinder Fahrräder mit Stützrädern wie eine Art Laufrad nutzen. Sie treten nicht in die Pedale, sondern schieben das Fahrrad mit den Füßen. Die Pedale sind dann lediglich im Weg und führen schnell zu Verletzungen und Frust.

Gleichgewicht, Vorerfahrung und Übung

Gerade beim Fahrradfahren gilt die Aussage: „Noch ist kein Meister vom Himmel gefallen“. Eine Vorerfahrung im Laufrad- oder auch Dreiradfahren legt den Grundstein für ein Balancegefühl und den Umgang mit Pedalen. Es ist daher durchaus sinnvoll, sich dem Thema „Fahrrad“ anhand verwandter Fortbewegungsmittel zu nähern, um den Kindern ein Gefühl dafür zu geben, was es heißt, sich auf Rädern fortzubewegen.

Dann bedarf es vor allem eines: Geduld, Zeit zum Üben und aufmunternde Worte der Eltern. Sollte ein Kind aber plötzlich aufgrund von ersten misslungenen Versuchen das Fahrrad fahren ablehnen, so sollte man auch das respektieren. Natürlich helfen ermutigende Worte häufig das Fahrradfahren erneut zu versuchen, doch Zwang wäre bekanntermaßen bei Kindern ein falsches Mittel.

 



Kommentare

Nina 15. Mai 2014 um 22:17

Hallo Lisa,

einen schönen Überblick hast du mit deinem Artikel gegeben. Nur zu den Stützrädern würde ich gern folgendes zu Bedenken geben: Je nach Kind ist es meiner Meinung nach doch sehr sinnvoll diese einzusetzen, denn das Bremsen ist völlig anders als beim Laufrad. Fast alle Kinder bremsen beim Laufrad einfach mit den Füßen – egal wie oft man die Handbremse erklärt. Beim Fahrrad ist dann die Rücktrittbremse etwas völlig neues. Unser Krümel ist ein sehr guter Laufrad Fahrer (Beine hoch, hinstellen .. ). Nun hat er sein erstes Fahrrad bekommen und muss erstmal das Bremsen lernen. Das geht mit den Stützrädern am besten – auch wenn das Fahrrad viel größer ist als das Laufrad, kann er das Rad so erstmal beherrschen Lernen. Ich glaube auch den Punkt Stützräder muss man je nach Kind entscheiden und seinem Gefühl folgen. Unser fährt weiterhin beides sehr gern. Je nach Alter und Temperament des Kindes ist der Start mit oder ohne Stützräder wohl die bessere Wahl.

viele Grüße,
Nina

Antworten

Michael 27. November 2016 um 22:17

Servus Lisa,
Kann deine Aussage mit den Stützrädern vollkommen bestätigen. Ohne Stützräder bekommt jedes Kleinkind einen besseren Gleichgewichtssinn und der Umstieg vom Laufrad zum normalen Fahrrad fällt somit leichter.
Ich finde deinen Artikel echt toll. Weiter so
Schöne Grüße
Michael

Antworten

Sally 6. September 2018 um 22:17

Und die nächste Generation wird die Laufräder verdonnern, genauso wie heute die Stützräder verdonnert werden. Warum immer dieser Glaube, die alle glückselig machende Weisheit gepachtet zu haben? Was für das eine Kind richtig ist, ist es für das andere noch lange nicht. Das gilt für Erziehungstipps genauso wie für die Frage, wie man besser Fahrradfahren lernt. Das Ziel kann so und so erreicht werden, mit Stützrädern dauert es vielleicht länger, aber das muss ja nicht falsch sein. Gelernt hat es noch jedes Kind, das es lernen wollte. Meine Kinder mochten beide kein Laufrad. Trotzdem haben beide Fahrradfahren gelernt. Mit Stützrädern!

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *