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Kindern einen offenen Umgang mit Behinderungen beibringen

Umgang mit BehinderungenKürzlich bin ich auf die Seite von Raul gestoßen. Ein recht bekannter, weil wirklich beeindruckender Mann, der so selbstverständlich mit seiner Behinderung umgeht, dass man eben nicht nur einen Rollstuhlfahrer, sondern eine beeindruckende Persönlichkeit sieht. Auf Rauls eigener Internetseite hat er vor einer Weile einen wundervollen Artikel veröffentlicht, der davon handelt, wie Eltern ihren Kindern das Thema Behinderungen näher bringen können. Mich fasziniert die Offenheit mit der er Situationen begegnet. Statt sich zu verschließen und griesgrämig Kindern entgegenzublicken, die Interesse an seinen Besonderheiten zeigen, öffnet er sein Herz, zeigt Verständnis für ihre Neugier und stillt ihren Wissensdurst. Wie sehr wünsche ich unserem Sohn, dass er in der Zukunft ähnlich mit seiner eigenen Behinderung umgehen kann. Im Vergleich zu Raul wird er wohl niemals so sehr auffallen. Doch auch den wenigen, denen später einmal seine Hörgeräte auffallen werden – so hoffe ich – bleibt er hoffentlich nur als wunderbarer, einzigartiger Mensch in Erinnerung und nicht als Junge mit Behinderung. Je offener wir „anderen“ Menschen entgegentreten, je selbstverständlicher wir damit umgehen, dass alle Menschen unterschiedlich aussehen, manche von ihnen eingeschränkt sind oder eine eher ungewohnte Erscheinung haben, desto eher werden unsere Kinder zu weltoffenen und toleranten Erwachsenen.

Raul spricht unheimlich wichtige Punkte an, die wir Eltern befolgen können um Kindern die vielen Fragen zu beantworten und Unsicherheiten zu nehmen.

10 Tipps um unseren Kindern einen offenen Umgang mit Behinderungen beizubringen

  • Fragen wie „Warum kann der Mann nicht laufen“ beantworten, anstatt sie im Kern zu ersticken.
    Je nach Alter der Kinder kann diese Antwort detailliert oder eben recht einfach ausfallen. Den Kleinsten genügt häufig schon etwas wie: „Der Mann hat eine Krankheit, die macht, dass er nicht laufen kann“ oder einfach „Er hat ein Aua“. Findet man selbst den Mut und scheint die betroffene Person recht freundlich dem Kind gegenüber, so sollte man nicht scheuen auch einmal nachzufragen. Viele dieser besonderen Menschen beantworten sehr gerne die vielen Fragen der Kinder.
  • Den Kindern nicht negativ entgegen treten, wenn sie behinderte Menschen direkt ansprechen
    Man sollte versuchen die Neugier der Kinder als etwas positives zu sehen. Indem man ihren Fragen nämlich mit Zorn, Scham oder Angst entgegen tritt, legt man sofort Gefühle auf ein Thema, die Kinder gar nicht entwickeln sollten.
  • Behinderung nicht immer mit Mitleid verbinden
    Eltern sollten ihren Kindern nicht sofort das Gefühl geben, alle von Behinderungen betroffenen Menschen seinen zu bemitleiden. Vielen fühlen sich trotz Behinderung wunderbar und genießen ihr Leben in vollen Zügen. Schöner ist es aufzuzeigen, dass Behinderungen Menschen einzigartig machen, das die Welt voll verschiedener Menschen ist, bei der vielleicht manche kleine und große Besonderheiten mit sich tragen.
  • Zum Helfen anregen, aber richtig
    Natürlich ist es schön, wenn das eigene Kind besonders hilfreich ist, sobald es sieht, dass jemand Hilfe bedarf. Dennoch sollten sie auch lernen, dass es wichtig ist, immer zu fragen, ob sie helfen dürfen. Nicht alle körperlich eingeschränkten Menschen nehmen gerne Hilfe an und empfinden sie dann eher als unangenehm. Außerdem sollten Kinder auch sehen, dass viele Dinge trotz mancher Einschränkungen auch ohne Hilfe möglich sind, wenn man sich Mühe gibt.
  • Rollstühle und Prothesen sind „neue“ Körperteile
    Raul schreibt darüber, wie wichtig es ist, dass Kinder diese Dinge nicht als Objekte sehen, die Hilflosigkeit darstellen, sondern als Dinge, die Stärke verleihen. Besonders schnelle Beine und starke neue Arme klingen doch auch viel schöner als „übergroßer Kinderwagen“.
  • Wir übertragen unsere Gefühle auf die Kinder
    Viele von uns sind verunsichert, wenn sie auf Behinderungen treffen. Verständlich, dass wir oft nicht wissen, wie wir auf betroffene Menschen zu gehen sollen. Natürlich kennen wir selbst nicht immer den perfekten Weg. Doch wir sollten uns Mühe geben sicher und entspannt zu wirken, damit es unsere Kinder auch sind.
  • Ansehen ist in Ordnung, solange es kein ewiges Starren ist
    Kinder haben Welpenschutz, so sagt Raul. Sie dürfen länger Gucken als Erwachsene. Dennoch sollten auch schon Kinder lernen, dass lange Blicke auf Dauer unangenehm sein können, egal ob Mensch mit Behinderung oder ohne. Aber ein ausgiebiges Betrachten ist fast immer in Ordnung.
  • Nicht alle haben Schmerzen
    Es ist wichtig, dass Kinder wissen, dass nicht jede Behinderung mit Schmerz verbunden ist. Der Gedanke all diese Menschen hätten unentwegt Schmerzen kann Kindern regelrecht Angst machen. Natürlich bringen manche Krankheiten dies leider mit sich, doch nicht alle – das sollten die Kleinen unbedingt wissen.

  • Ein positives Bild aufbauen
    Es gibt viele Wege, die Kindern vermitteln können, dass auch Menschen mit Behinderungen genauso am Leben teilhaben wie jene ohne Einschränkungen. Das auch sie ganz besondere Fähigkeiten haben können, die selbst ein gesunder Mensch vielleicht nicht hat, dass sie Dinge erreichen können, von denen die Kleinen träumen. Inklusion (behinderte Kinder in Schulen und Kindergärten, inmitten gesunder Kinder) ist der erste Schritt in diese Richtung. Kinderbücher über Behinderungen oder jene, in denen Kinder mit Behinderung (positiv!) vorkommen können dazu beitragen, dieses optimistische Bild von behinderten Menschen aufzubauen.
  • Rollstühle sind nicht 30 % des Menschen
    Nur weil ein Rollstuhl oft optisch viel Platz im Bild eines Menschen der nicht laufen kann einnimmt, heißt es nicht, dass dieser den Menschen auch ausmacht. Deshalb ist es besonders schön, wenn Kinder auch sehen können, wie der Mensch im Alltag auch ohne seinen Rollstuhl lebt. Wie er vielleicht auf dem Sofa sitzt, baden geht oder gar Auto fährt. Wichtig ist, so sagt Raul, dass wir und die Kinder zuerst den Mensch sehen sollten und dann den Rollstuhlbenutzer, der er ebenso ist.

 

 

Auch in unserem Alltag begegnen wir skeptischen und fragenden Blicken. Auch ich habe gemerkt, dass es nur selten Eltern sind, die mich auf unseren Sohn und seine Hörgeräte ansprechen. Die neugierigen Fragen der Kinder aber freuen mich immer wieder. Vor allem die Art, wie selbstverständlich sie damit umgehen, dass der Kleine nun mal eine kleine „Hilfe“ braucht um zu hören bzw. tolle Hörgeräte hat mit denen er besonders gut hören kann, ist einfach wunderbar. Eltern sollten diese Neugierde unbedingt unterstützen!



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