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Tics bei Kindern – so helfen Sie Ihrem Kind

Tics bei Kindern
Tics sind bei Kindern keine Seltenheit. Statistiken und Studien lassen vermuten, dass etwa 10 bis 15 Prozent aller Kinder im Grundschulalter damit zu kämpfen haben. Der Großteil hat sogar verschiedene Tic-Symptome gleichzeitig. Aber keine Bange, die symptomatischen Charakteristiken vergehen meistens von alleine wieder.

Was ist ein Tic?

Ein Tic ist ein Krankheitssymptom, welches durch kurze, unbewusste, teils komplexe motorische Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen ausgelöst wird und regelmäßig oder unregelmäßig auftritt. Die Muskelkontraktionen äußern sich dann in ungewollte Handlungen, die nur in sehr geringem Maß steuerbar sind.

Man unterscheidet zwischen einfachen und komplexen Tic-Störungen.

  • einfache motorische Tics
    Gesichtsgrimassen, Augenblinzeln, Augenzwinkern, Kopfnicken, Augenrollen, Mundöffnen, Stirnrunzeln, Kopfschütteln, Schulterzucken, Zwerchfell-Tics, Bauch-Tics und Rumpf-Tics.

  • komplexe motorische Tics 
    Stampfen, Hüpfen, Treten, Springen, Kreisen, Kratzen, Beißen, Klopfen und Schlagen.
    Besondere Ausprägungen der komplexen motorischen Tics sind die Echopraxie und die Kopropaxie.

  • einfache vokale Tics 
    Hüsteln, Räuspern, Schnäuzen, Grunzen, Bellen und Spucken. Auch sehr laute in- und exspiratorische Atemgeräusche gehören zu den Symptomen.

  • komplexe vokale Tics
    Summen, Schreien, Pfeifen – besondere Ausprägungen der komplexen vokalen Tics sind die Koprolalie, die Echolalie und die Palilalie.


Tic-Störungen, die länger als zwölf Monate anhalten, werden als chronisch eingestuft.

Wobei – chronisch – aber nicht unheilbar heißt. Es ist erwiesen, dass sich die meisten Symptome im späteren Jugendalter deutlich abschwächen oder sich völlig zurückbilden.

Ursachen – woher kommen Tics bei Kindern?

Der genaue Auslöser, der am stärksten im Vordergrund stehenden Ticstörungen, ist immer noch unbekannt. Die genetischen Anlagen scheinen eine Rolle zu spielen. Man spricht auch von einem Ungleichgewicht bei der Bewegungssteuerung.

So können Sie als Eltern helfen

  • Akzeptanz
    Akzeptanzt heißt hier das Zauberwort. Man sollte dem Kind hauptsächlich signalisieren, dass es auch mit seiner Eigenart geliebt und akzeptiert wird und ihm vermitteln, dass es nicht psychisch krank ist. Es ist wichtig, dass die Kinder nicht durch die Reaktionen des sozialen Umfelds verunsichert werden. Nur selten haben betroffene Kinder und ihre Spielgefährten Probleme mit den unwillkürlichen Bewegungen.
  • Stress vermeiden
    Stresssituationen können die unkontrollierbaren Bewegungen, Laute oder Geräusche verstärken.
  • Tics nicht verbieten
    Auf Verbote sollte man verzichten, denn sie verstärken nur den Druck und helfen daher nicht. Selbst wenn es die Betroffenen schaffen ihre Symptome eine bestimmte Zeit zu unterdrücken, kommen die Störungen dann aber oft nur verstärkt zum Vorschein. Ähnlich wie beim Niesen macht sich Tics bei Kindern mit einem Vorgefühl bemerkbar und die Ausführung der Handlung hat meist eine entspannende Wirkung.

Wann man in jedem Fall den Arzt aufsuchen sollte

Der Zeitpunkt des Arztbesuches muss im Einzelfall entschieden werden. Aufgrund der hohen Selbstheilungsrate genügt bei einer Ticstörung, die weniger als ein halbes Jahr besteht und nur gering ausgeprägt ist, ein Beratungsgespräch des Patienten und seiner Eltern.

WICHTIG: Sobald das betroffene Kind leidet oder die Symptomatik nicht eindeutig ist – sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Gegebenenfalls müssen andere Erkrankungen wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung), Zwangsstörungen, Depressionen oder Ängste ausgeschlossen werden oder in die Therapie eingebunden werden.

Anlaufstellen können Kinder- und Jugendpsychiater oder Spezialambulanzen sein.

Therapien um Tics abzugewöhnen
– so können Tics bei Kindern behandelt werden

  • Therapieformen
    Wenn der Leidensdruck sehr hoch ist, kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein.
    Die Therapie sollte mit der Zielsetzung durchgeführt werden, dass man wieder Kontrolle über seinen Körper gewinnt.
    Dabei werden Bewegungen trainiert, mit denen man seinen Tic austricksen kann. Denn wie schon oben ewähnt, kündigt sich der Tic mit einem Vorgefühl an, möglicherweise mit einem Kribbeln im Arm oder Bein.
    Runzelt das Kind zum Beispiel ständig die Nase, muss geübt werden, die Lippen fest zusammenzupressen, wenn sich das entsprechende Gefühl des Kribbelns bemerkbar macht.
    Das es zum Einüben und sich antrainieren dieser Fähigkeiten einer gewissen geistigen Reife und Körperbeherrschung bedarf, eignen sich die Übungen für Betroffene ab acht Jahren.
  • Medikamente
    Eine Medikation ist eher eher selten notwendig. Nur bei schwerer Tic-Symptomatik, wie ausgeprägten, unkontrollierbaren Zuckungen am ganzen Körper oder wenn es sich zum Beispiel alle 15 Sekunden räuspert, ist eine medikamentöse Grundtherapie angezeigt. Zudem sei gesagt, dass alle Therapieformen nur die Symptome hemmen, aber nicht die Ursache beheben.
  • Homöopathie
    Man kann das Kind natürlich auch einem Homöopathen vorstellen. Er wird einen individuellen Therapieplan empfehlen. Medikamente wie Globuli oder Bachblüten können keinen Schaden anrichten und führen häufig zu Linderung der Tics.

Beistand leisten

Maßgebend ist, dass man ein gutes und offenes Verhältnis zu dem Kind pflegt.
Das Problem ist oft nicht die Tic-Störung, sondern die sozialen Gegebenheiten. Gäbe es die Reaktionen der Umwelt beim Auftreten der Tics bei Kindern nicht, könnte der Betroffene sein gewohntes Leben führen.

Trotz allem immer gelassen bleiben – Tics bei Kindern verschwinden oft so plötzlich wie sie gekommen sind.

Hilfreiche Literatur



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