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Unsichtbare Freunde bei Kindern – normal oder ein Problem?

zwei Jungs lächelnd auf dem Boden liegend
Gestern hat sich mein Kind unterhalten und jemanden zum Spielen aufgefordert. Lautstark und voller Elan hörte ich im Wohnzimmer ein lautes „Komm mit, trau dich, komm!“. Auf der einen Seite war ich entzückt, auf der anderen schockiert. Denn meine Tochter zog an ihrer Hand scheinbar jemanden durch die Wohnung, den ich nicht sehen konnte. „Becca, Becca, komm spielen!“ meinte sie und lachte in ein nicht vorhandenes Kindergesicht. Rebecca, die kleine Freundin aus dem Kindergarten, war noch nie bei uns zuhause. Seit heute ist sie es – ob ihre Eltern davon wissen?

Warum erfinden Kinder Fantasiefreunde?

Meist lernen Eltern die unsichtbaren Freunde ihrer Kinder im Kindergartenalter kennen. Nicht selten begleiten sie fortan das Leben für ein bis zwei Jahre.

  • Sie helfen um sich zu behaupten
    Fantasiefreunde haben exakt die Einstellung und Meinung, die ihnen der Erfinder gibt. So bilden Sie gemeinsam mit dem Kind eine Mehrheit an Stimmen wenn es um Entscheidungen geht. Man kann sie wunderbar vorschieben wenn man etwas möchte. Nicht selten heißt es „Aber der Maxi möchte doch auch viel lieber noch ins Schwimmbad“ – und schon hat man eine Stimme mehr.
  • Versteckte Charaktereigenschaften ausleben
    Manchmal wünschen sich Kinder anders zu sein. Mutiger, lauter oder frecher. Sie trauen es sich aber nicht, diesen Persönlichkeitszug auszuleben. Hinter dem Fantasiefreund kann es ungeniert all das ausleben. Es kann witzige oder gemeine Dinge sagen und fürchtet keine Bestrafung. Das Erfinden eines unsichtbaren Freundes dient mitunter dazu sich auszuprobieren zu können und sich gleichzeitig aber hinter einer schützenden Mauer zu verstecken. Dieses Experimentieren ist ein wichtiger und guter Part der Persönlichkeitsentwicklung und nichts negatives.
  • Ein treuer Begleiter
    Wenn gerade niemand Zeit zum spielen hat oder Mama und Papa eben abgelenkt sind, ist ein Kind mit unsichtbarem Freund trotzdem nicht alleine. Diese Freunde können 24 Stunden, rund um die Uhr Trost spenden, zum Lachen bringen oder Mut machen. Nicht immer sind Fantasiefreunde Menschen. Sie können auch ein Tier sein wie Hund oder Katze. Vielleicht hat der neue Begleiter auch Zauberkräfte. Ein Fantasiefreund ist genau so wie das Kind ihn haben möchte.

Vernachlässigt das Kind dann nicht andere Freundschaften?

Die Angst, dass Kinder mit Fantasiefreunden vereinsamen ist verständlich. Ebenso wie sehr introvertierte Kinder, die sich gerne und lange alleine beschäftigen, bereiten Kinder mit erfundenden Freunden ihren Eltern oft Sorgen. Doch diese Angst ist unnötig. Im Gegenteil: Viele Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder mit großer Fantasie oftmals sogar überdurchschnittlich kontaktfreudig und weniger schüchtern als andere Altersgenossen sind. Zumeist treten die unsichtbaren Freunde außerdem nicht in einer Gruppe anderer Kinder auf. Normalerweise lehnen andere Kinder Freunde nicht ab, nur um mit ihrem Fantasiefreund alleine zu spielen. Meist zeigen sie sich in einer Umgebung, in der nur Erwachsene anwesend sind und ein Spielpartner fehlt.

Der richtige Umgang mit den erfundenen Freunden im Alltag

Die Angst, das Verhalten des Kindes wäre nicht normal hemmt Eltern im Umgang mit ihnen oftmals etwas. Man sollte sich bewusst sein, dass ein erfundener Freund bei einem gesunden, fröhlichen Kind völlig unproblematisch ist. Man sollte den neuen Freund einfach mit einbinden. Er darf mitspielen, am Tisch mit essen, sein eigenes Besteck haben, im Flur einen Platz für die Schuhe. Nichts von alle dem ist schädlich für ein Kind. Die Gestalt des erfundenen Wesens kann einem sogar zeigen, mit welchen Themen sich ein Kind gerade auseinander setzt. So kann es beispielsweise „Gut und Böse“ sein, ein gemeines Fantasiewesen deutet gerne auf das Erlernen von „Fairness“ hin. Man sollte es als etwas Spannendes sehen und sich über die Bereicherung im Alltag freuen. Verschwinden tut der Freund eigentlich immer von alleine…

Sicher alles in Ordnung?

Grund zur Sorge gibt es nur, wenn ein Kind sich anfängt zu verschließen. Erst wenn Kinder anfangen die Fantasiefreunde deutlich und ständig über alles zu stellen und diese in jedem Belang eine Rolle für das Kind spielen, sollte man eventuelle andere Probleme, die tiefer liegen, ausschließen. Wirkt es depressiv oder schläft schlecht, kann der Fantasiefreund auch aus einer Problemsituation entstanden sein. Das Kind versucht dann mittels dieser erfundenen Person eine schwierige Phase zu überstehen. Geht dieses Verhalten über Wochen sollte man deshalb den Kinderarzt einmal zu Rate ziehen.



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