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13 Tipps, damit Kinder lernen, ihre Gefühle selbst zu regulieren

Veröffentlicht

01.02.2024

13 Tipps, damit Kinder lernen, ihre Gefühle selbst zu regulieren

In der bunten und manchmal stürmischen Welt der Emotionen fühlen sich Kinder oft wie kleine Seefahrer auf hoher See. Die Wogen der Wut, die Tiefen der Traurigkeit und die Strudel der Frustration – all das sind Teile eines emotionalen Ozeans, den sie erst noch navigieren lernen müssen. Als Eltern spielen wir eine entscheidende Rolle dabei, unseren Kindern als Leuchttürme zu dienen, die ihnen den Weg durch diese ungewissen Gewässer weisen.

Es ist eine Tatsache, dass die emotionale Entwicklung ein zentraler Aspekt des Heranwachsens ist. Gefühle zu haben und zu zeigen, ist ein natürlicher und gesunder Teil des Menschseins. Doch gerade in den ersten Lebensjahren sind Kinder noch dabei, zu lernen, wie sie mit ihren Emotionen umgehen können. Ihre Gehirne sind noch nicht vollständig entwickelt, insbesondere die Bereiche, die für Selbstkontrolle und emotionale Regulation zuständig sind. Das kann zu intensiven und manchmal überwältigenden emotionalen Reaktionen führen.

In dieser Phase sind Kinder besonders empfänglich für die Unterstützung und Anleitung durch Erwachsene. Durch unsere Worte, unser Verhalten und unsere Reaktionen auf ihre Gefühle können wir ihnen helfen, ihre eigenen emotionalen Reaktionen besser zu verstehen und zu regulieren. Das Ziel ist es, ihnen beizubringen, wie sie sich selbst beruhigen können, wie sie angemessen auf Frustrationen reagieren und wie sie mit ihren Emotionen in einer Weise umgehen, die sowohl für sie selbst als auch für die Menschen um sie herum gesund ist.

In diesem Artikel stellen wir 13 Schlüsselstrategien vor, die euch als Eltern dabei unterstützen können, eure Kinder auf ihrem Weg zu emotional intelligenten und selbstbewussten Individuen zu begleiten. Diese Tipps basieren auf aktuellen Erkenntnissen der Kinderpsychologie und jahrelangen Beobachtungen von Eltern-Kind-Interaktionen. Sie sind darauf ausgerichtet, euch praktische Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen ihr euren Kindern helfen könnt, die Kunst der emotionalen Selbstregulation zu meistern.

1. Vorbild sein

Als Eltern seid ihr die ersten und wichtigsten Vorbilder für eure Kinder. Euer Umgang mit eigenen Gefühlen legt den Grundstein dafür, wie eure Kinder lernen, ihre Emotionen zu handhaben. Wenn ihr euch in herausfordernden Situationen ruhig und besonnen verhaltet, zeigen ihr euren Kindern, wie man effektiv mit Stress und Frustration umgeht.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Selbstfürsorge. Kinder beobachten genau, wie ihre Eltern mit ihren eigenen Emotionen umgehen. Wenn ihr euch Zeit für euch selbst nehmt, euch bei Stress beruhigt und euch selbst in schwierigen Momenten mit Mitgefühl und Verständnis begegnet, lernt ihr eure Kinder, dass es in Ordnung ist, Gefühle zu haben und dass es gesunde Wege gibt, damit umzugehen.

Ein weiterer Aspekt ist, offen über eigene Gefühle zu sprechen. Zeigt euren Kindern, dass es normal ist, verschiedene Emotionen zu erleben, und dass es wichtig ist, darüber zu sprechen. Indem ihr eure eigenen Gefühle benennt und erklärt, wie ihr damit umgeht, gebt ihr euren Kindern ein lebendiges Beispiel für emotionale Intelligenz und Selbstregulation.

2. Aktives Zuhören

Aktives Zuhören ist eine der mächtigsten Fähigkeiten, die ihr als Eltern einsetzen könnt, um euren Kindern zu helfen, ihre Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Wenn ihr euren Kindern eure volle Aufmerksamkeit schenkt und ihnen zeigt, dass ihre Gefühle wichtig sind, vermittelt ihr ihnen das Gefühl, gehört und verstanden zu werden.

Achtet darauf, eure Kinder nicht zu unterbrechen oder ihre Gefühle herunterzuspielen. Selbst wenn ein Problem für euch als Erwachsene klein erscheinen mag, kann es für euer Kind eine große Bedeutung haben. Indem ihr empathisch zuhört und eure Kinder ermutigt, über ihre Gefühle zu sprechen, hilft ihr ihnen, ihre Emotionen zu verarbeiten und zu verstehen.

Aktives Zuhören beinhaltet auch, eure Kinder zu fragen, wie sie sich fühlen, und sie zu ermutigen, ihre Emotionen in ihren eigenen Worten zu beschreiben. Dies stärkt ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion und lehrt sie, ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen und auszudrücken.

3. Emotionen benennen

Das Benennen von Gefühlen ist ein wesentlicher Schritt im Prozess der emotionalen Entwicklung. Indem ihr euren Kindern helft, ihre Gefühle zu identifizieren und zu benennen, gebt ihr ihnen die Werkzeuge, um ihre Emotionen besser zu verstehen und zu verarbeiten.

Beginnt mit grundlegenden Emotionen wie Glück, Traurigkeit, Wut und Angst. Verwendet konkrete Beispiele aus dem Alltag, um zu veranschaulichen, wie sich diese Gefühle anfühlen und ausdrücken. Zum Beispiel: „Ich sehe, du bist traurig, weil dein Spielzeug kaputt ist.“ Diese Praxis hilft Kindern, einen Wortschatz für ihre Gefühle zu entwickeln und diese präziser zu identifizieren.

Es ist auch hilfreich, Kindern zu zeigen, dass es in Ordnung ist, verschiedene Emotionen zu erleben und dass jeder Mensch ein breites Spektrum an Gefühlen hat. Dadurch lernen sie, ihre Gefühle als normalen Teil des Lebens zu akzeptieren und sich nicht für ihre Emotionen zu schämen.

4. Sprachentwicklung fördern

Die Entwicklung der Sprachfähigkeiten ist eng mit der emotionalen Entwicklung verbunden. Indem ihr eure Kinder dazu ermutigt, über ihre Gefühle zu sprechen und die richtigen Worte dafür zu finden, stärkt ihr ihre emotionale Intelligenz.

Stellt offene Fragen, die eure Kinder dazu anregen, über ihre Gefühle nachzudenken und sie auszudrücken. Fragen wie „Wie fühlst du dich jetzt?“ oder „Kannst du mir erzählen, warum du traurig bist?“ helfen Kindern, ihre Emotionen zu erforschen und zu artikulieren.

Es ist wichtig, geduldig zu sein und euren Kindern Zeit zu geben, ihre Gedanken und Gefühle zu formulieren. Vermeidet es, Antworten für sie zu formulieren oder vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Diese Praxis fördert nicht nur die Sprachentwicklung, sondern auch das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung eurer Kinder.

5. Rituale etablieren

Beruhigungsrituale spielen eine wichtige Rolle in der emotionalen Regulation. Sie geben Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Vorhersehbarkeit, was besonders in Momenten der Unruhe oder Traurigkeit hilfreich sein kann.

Findet heraus, was eurem Kind hilft, sich zu beruhigen. Dies kann ein Kuscheltier, eine bestimmte Umarmung, ein Lied oder ein entspannendes Spiel sein. Wiederholt diese Rituale konsequent, besonders in Situationen, in denen euer Kind emotional aufgewühlt ist. Dies hilft, ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens aufzubauen.

Es ist auch hilfreich, Rituale für den Umgang mit schwierigen Emotionen zu etablieren. Zum Beispiel könnte ein „Wutkissen“ eingeführt werden, auf das das Kind hauen kann, wenn es wütend ist, oder ein „Traurigkeitstagebuch“, in das es schreiben kann, wenn es traurig ist. Diese Rituale helfen Kindern, konstruktive Wege zu finden, um mit ihren Gefühlen umzugehen.

6. Grenzen setzen

Grenzen setzen ist ein wesentlicher Teil der Erziehung. Sie helfen Kindern zu verstehen, was akzeptables Verhalten ist und was nicht. Es ist wichtig, dass ihr konsequent seid in euren Regeln und Erwartungen und gleichzeitig Verständnis und Empathie für die Gefühle eurer Kinder zeigt.

Wenn ihr Grenzen setzt, erklärt euren Kindern den Grund dafür. Dies hilft ihnen, den Kontext zu verstehen und zu lernen, dass Regeln dazu da sind, sie zu schützen und zu leiten. Seid dabei einfühlsam und anerkennend für ihre Emotionen. Zum Beispiel: „Ich verstehe, dass du wütend bist, weil du jetzt ins Bett gehen musst, aber wir brauchen unseren Schlaf, um morgen fit zu sein.“

In Momenten, in denen eure Kinder gegen die Grenzen verstoßen, ist es wichtig, ruhig und konsequent zu bleiben. Vermeidet es, in hitzigen Momenten nachzugeben, nur um einen Konflikt zu vermeiden. Das kann verwirrend sein und macht es schwieriger, zukünftig Grenzen durchzusetzen.

7. Erfolge loben

Lob und Anerkennung sind mächtige Werkzeuge, um positives Verhalten zu verstärken. Wenn eure Kinder erfolgreich ihre Gefühle regulieren, lobt sie dafür. Dies stärkt ihr Selbstbewusstsein und motiviert sie, weiterhin an ihren emotionalen Fähigkeiten zu arbeiten.

Seid spezifisch in eurem Lob. Anstatt allgemein zu sagen „Du bist so ein braves Kind“, könnt ihr sagen: „Ich bin stolz auf dich, wie du dich beruhigt hast, nachdem dein Turm umgefallen ist.“ Dies hilft Kindern zu verstehen, was genau sie gut gemacht haben und ermutigt sie, dieses Verhalten in Zukunft zu wiederholen.

Es ist auch wichtig, den Prozess und nicht nur das Ergebnis zu loben. Zum Beispiel, wenn ein Kind versucht, sich zu beruhigen, aber immer noch sichtlich aufgewühlt ist, könnt ihr sagen: „Ich sehe, wie sehr du dich bemühst, ruhig zu bleiben, das ist großartig.“ Dies zeigt Kindern, dass ihr ihre Anstrengungen anerkennt, selbst wenn sie noch nicht perfekt sind.

8. Beruhigende Atemübungen

Atemübungen sind ein einfaches, aber wirksames Werkzeug, um Kindern zu helfen, sich in emotional aufgeladenen Momenten zu beruhigen. Das tiefe Ein- und Ausatmen hilft, den Körper zu entspannen und das Nervensystem zu beruhigen.

Lehrt eure Kinder, tief durch die Nase einzuatmen und langsam durch den Mund auszuatmen. Ihr könnt dies spielerisch gestalten, indem ihr zählt, wie lange sie die Luft anhalten können, oder indem ihr Blätter oder Federn mit dem Atemzug bewegt.

Diese Übungen können in vielen Situationen eingesetzt werden, sei es bei einem Wutanfall, bei Angst oder Traurigkeit. Indem ihr euren Kindern beibringt, wie sie durch Atmung ihre Emotionen regulieren können, gebt ihr ihnen eine lebenslange Fähigkeit zur Selbstberuhigung.

9. Umgang mit Misserfolgen lehren

Ein wesentlicher Teil der emotionalen Entwicklung ist das Erlernen des Umgangs mit Enttäuschungen und Misserfolgen. Kinder sollten verstehen, dass nicht immer alles nach Wunsch verläuft und dass das völlig in Ordnung ist. Eltern können ihren Kindern beibringen, Misserfolge als Gelegenheiten zum Lernen und Wachsen zu sehen.

Dies bedeutet, Kindern zu vermitteln, dass Fehler machen menschlich ist und dass jeder Fehler eine Chance ist, etwas Neues zu lernen. Ihr könnt zum Beispiel Geschichten aus eurem eigenen Leben erzählen, in denen ihr aus Fehlern gelernt habt. Es ist auch wichtig, Kinder darin zu bestärken, es erneut zu versuchen, auch wenn sie anfangs scheitern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Förderung von Ausdauer und Resilienz. Dies könnt ihr tun, indem ihr eure Kinder ermutigt, sich Herausforderungen zu stellen und sie zu unterstützen, Lösungen zu finden, anstatt sofort einzugreifen. Lobt sie für ihre Anstrengungen und ihre Ausdauer, nicht nur für ihre Erfolge. Dies hilft ihnen, ein positives Selbstbild zu entwickeln und fördert die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen.

10. Mindfulness und Achtsamkeit

Achtsamkeit und Mindfulness sind mächtige Werkzeuge, um Kindern zu helfen, im Hier und Jetzt zu leben und ihre Emotionen besser zu verstehen. Achtsamkeitsübungen lehren Kinder, ihre Aufmerksamkeit bewusst zu steuern und sich ihrer Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen bewusst zu werden.

Einfache Übungen, wie das Fokussieren auf den Atem, das Hören auf Geräusche in der Umgebung oder das bewusste Wahrnehmen von Gerüchen und Farben, können Kindern helfen, sich zu zentrieren und Stress abzubauen. Ihr könnt zum Beispiel zusammen mit euren Kindern einen „Achtsamkeitsspaziergang“ machen, bei dem ihr euch auf das Erleben der Natur konzentriert.

Achtsamkeit hilft auch, die emotionale Reaktionsfähigkeit zu verbessern. Kinder lernen, ihre Gefühle zu beobachten, ohne sofort darauf zu reagieren. Dies gibt ihnen Zeit und Raum, um über angemessene Reaktionen nachzudenken, anstatt impulsiv zu handeln.

11. Gefühle in kreativer Weise ausdrücken

Kreative Ausdrucksformen bieten Kindern einen wertvollen Weg, ihre Emotionen zu erkunden und auszudrücken. Aktivitäten wie Malen, Musik, Tanz oder Theaterspielen ermöglichen es ihnen, Gefühle auf eine Art und Weise auszudrücken, die über Worte hinausgeht.

Indem Kinder ihre Gefühle durch Kunst zum Ausdruck bringen, können sie ihre Emotionen auf eine gesunde und konstruktive Weise verarbeiten. Zum Beispiel kann das Zeichnen oder Malen eines Bildes, das ihre Gefühle darstellt, Kindern helfen, ihre Emotionen zu visualisieren und zu verstehen. Musik und Tanz bieten eine ähnliche Möglichkeit, sich auszudrücken und gleichzeitig körperlich aktiv zu sein.

Kreativer Ausdruck kann auch therapeutisch wirken und Kindern helfen, mit schwierigen oder verwirrenden Gefühlen umzugehen. Eltern können ihre Kinder ermutigen, kreativ zu sein, und ihnen die Freiheit geben, ihre Emotionen auf ihre eigene Weise auszudrücken.

12. Konfliktlösungsfähigkeiten fördern

Die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, ist ein wichtiger Aspekt der emotionalen und sozialen Entwicklung. Kinder, die lernen, Konflikte auf gesunde Weise zu lösen, entwickeln bessere Beziehungen zu anderen und fühlen sich in sozialen Situationen sicherer.

Eltern können ihren Kindern helfen, Konfliktlösungsfähigkeiten zu entwickeln, indem sie beispielsweise Rollenspiele nutzen, um verschiedene Szenarien durchzuspielen. Dies hilft Kindern zu verstehen, wie sie in Konfliktsituationen reagieren können. Diskutiert verschiedene Lösungsansätze und die Konsequenzen dieser Handlungen.

Wichtig ist auch, Kindern beizubringen, ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen und auszudrücken, während sie gleichzeitig die Perspektiven anderer berücksichtigen. Dies fördert Empathie und das Verständnis für die Gefühle anderer.

13. Unterstützende Umgebung schaffen

Eine liebevolle, unterstützende und vorhersehbare Umgebung ist entscheidend für die emotionale Gesundheit von Kindern. Kinder, die sich sicher und geborgen fühlen, sind eher in der Lage, ihre Emotionen auf gesunde Weise zu regulieren und zu verarbeiten.

Eltern können eine solche Umgebung schaffen, indem sie konsistente Routinen und klare Erwartungen setzen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Kinder wissen, dass sie geliebt und geschätzt werden, unabhängig davon, wie sie sich fühlen oder verhalten.

Ebenso wichtig ist es, offene Kommunikationskanäle zu haben. Kinder sollten wissen, dass sie über ihre Gefühle sprechen können, ohne Angst vor Urteilen oder Konsequenzen zu haben. Das Verständnis und die Akzeptanz ihrer Emotionen durch ihre Eltern gibt Kindern das Vertrauen, sich emotional zu öffnen und zu wachsen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass jedes Kind individuell ist und dass einige Kinder eine stärkere natürliche Neigung zu intensiven emotionalen Reaktionen haben können. Dies bedeutet nicht, dass sie weniger fähig sind, ihre Emotionen zu regulieren, sondern dass sie möglicherweise mehr Unterstützung und Übung benötigen, um die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln.

Als Eltern könnt ihr eine entscheidende Rolle dabei spielen, euren Kindern zu helfen, ihre emotionalen Fähigkeiten zu entwickeln. Durch Geduld, Verständnis und die Anwendung der hier vorgestellten Strategien könnt ihr eure Kinder dabei unterstützen, zu emotional intelligenten und widerstandsfähigen Individuen heranzuwachsen. Dies ist eine wertvolle Investition in ihre Zukunft, die ihnen hilft, in allen Lebensbereichen erfolgreich und glücklich zu sein.

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