Wenn ein Kind plötzlich krampft, die Augen verdreht und nicht ansprechbar ist, ist das für Eltern einer der erschreckendsten Momente überhaupt. Das Gute vorweg: Die meisten Anfälle hören von allein wieder auf, und mit der richtigen Behandlung führen die allermeisten Kinder mit Epilepsie ein weitgehend normales Leben.
Am wichtigsten ist, im Ernstfall ruhig und richtig zu handeln. Hier liest du, was Epilepsie eigentlich ist, wie du bei einem Anfall Schritt für Schritt Erste Hilfe leistest, wann du den Notruf wählst und wie die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird.
Kurz gesagt
Epilepsie ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung im Kindesalter und beruht auf wiederholten Anfällen durch eine Art Gewitter im Gehirn. Bei einem Anfall gilt: Ruhe bewahren, das Kind vor Verletzungen schützen, den Kopf weich betten, nichts in den Mund schieben und nicht festhalten. Wähle den Notruf 112, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, sich wiederholt oder zum ersten Mal auftritt. Mit Medikamenten werden viele Kinder dauerhaft anfallsfrei.
Erste Hilfe beim Anfall: das ist jetzt wichtig
Ein großer Krampfanfall sieht dramatisch aus, die meisten enden aber nach ein bis zwei Minuten von selbst. Deine wichtigste Aufgabe ist, dein Kind vor Verletzungen zu schützen und ruhig zu bleiben. So gehst du vor:
- Ruhe bewahren und Zeit stoppen
Bleib bei deinem Kind und schau auf die Uhr, die Dauer des Anfalls ist später für die Ärztin oder den Arzt wichtig. - Vor Verletzungen schützen
Entferne harte oder gefährliche Gegenstände, polstere den Kopf mit etwas Weichem und nimm die Brille ab. - Nicht festhalten, nichts in den Mund
Halte die Bewegungen nicht mit Gewalt fest und schiebe niemals etwas zwischen die Zähne. Beides kann verletzen. - Danach stabile Seitenlage
Wenn der Anfall vorbei ist, leg dein Kind in die stabile Seitenlage und bleib bei ihm, bis es wieder ganz wach ist.

Wann muss ich den Notruf 112 wählen?
Nicht jeder Anfall ist ein Notfall, einige Situationen erfordern aber sofort den Rettungsdienst. Wähle den Notruf 112, wenn:
- Der Anfall lange dauert
Wenn ein Krampfanfall länger als etwa fünf Minuten anhält und nicht von allein aufhört. - Anfälle in Serie kommen
Wenn sich Anfälle wiederholen, ohne dass das Kind zwischendurch das Bewusstsein wiedererlangt. - Es der erste Anfall ist
Ein erstmaliger Krampfanfall sollte immer notfallmäßig abgeklärt werden. - Atemprobleme auftreten
Wenn das Kind nach dem Anfall schlecht atmet, bläulich wirkt oder sich nicht erholt.
Hat dein Kind eine bekannte Epilepsie und ein ärztlich verordnetes Notfallmedikament, wendest du es nach dem besprochenen Plan an. Im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu oft den Rettungsdienst rufen.
Was ist Epilepsie eigentlich?
Bei einem epileptischen Anfall entladen sich Nervenzellen im Gehirn kurzzeitig übermäßig, vereinfacht gesagt ein Gewitter im Gehirn. Von einer Epilepsie spricht man, wenn solche Anfälle wiederholt und unabhängig von Fieber oder einer akuten Erkrankung auftreten. Grob unterscheidet man zwei Formen:
| Anfallsform | Was dabei passiert |
|---|---|
| Fokale Anfälle | Die Entladung beginnt in einer begrenzten Hirnregion. Die Anzeichen sind sehr unterschiedlich, von Zuckungen einzelner Körperteile bis zu kurzer Abwesenheit. |
| Generalisierte Anfälle | Große Bereiche des Gehirns sind betroffen, etwa beim großen Krampfanfall mit Bewusstlosigkeit und Zuckungen am ganzen Körper. |
Wichtig zur Einordnung: Ein Fieberkrampf ist keine Epilepsie. Fieberkrämpfe treten nur im Zusammenhang mit Fieber auf, vor allem zwischen etwa sechs Monaten und fünf Jahren, und verlieren sich meist bis zum Schulalter wieder.

Wie wird Epilepsie festgestellt und behandelt?
Die Diagnose stellt eine auf das Nervensystem spezialisierte Kinderärztin oder ein Neuropädiater. Zentral ist die Ableitung der Hirnströme im EEG, dazu kommen ein ausführliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung und je nach Fall weitere Untersuchungen. Eine gute Beschreibung des Anfalls durch dich, am besten ein Handyvideo, hilft bei der Einordnung sehr.
Behandelt wird in der Regel mit Medikamenten, die Anfälle verhindern (Antiepileptika). Die Dosis wird langsam eingestellt, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen werden dabei genau beobachtet. Die Aussichten sind gut: Bei optimaler Behandlung werden rund sieben von zehn Kindern anfallsfrei, und manche gutartigen Formen verwachsen sich mit der Zeit von selbst.
Wenn dein Kind im Zusammenhang mit Fieber gekrampft hat, lies auch unseren Beitrag zum Thema Fieberkrampf. Eine Übersicht weiterer Themen findest du unter Kinderkrankheiten.
Häufige Fragen zu Epilepsie bei Kindern
Ruhe bewahren, die Zeit stoppen, harte Gegenstände entfernen, den Kopf weich betten und die Brille abnehmen. Das Kind nicht festhalten und nichts in den Mund schieben. Nach dem Anfall in die stabile Seitenlage bringen und dabei bleiben.
Wähle den Notruf 112, wenn der Anfall länger als etwa fünf Minuten dauert, sich Anfälle ohne zwischenzeitliches Erwachen wiederholen, es der erste Anfall ist oder das Kind danach schlecht atmet.
Nein. Ein Fieberkrampf tritt nur im Zusammenhang mit Fieber auf, ist meist harmlos und verliert sich bis zur Pubertät. Epilepsie bedeutet wiederholte Anfälle unabhängig von Fieber.
In den meisten Fällen ja. Bei optimaler Behandlung werden rund 70 Prozent der Kinder anfallsfrei, und einige gutartige Formen verwachsen sich mit der Zeit. Die Behandlung begleitet eine neuropädiatrische Praxis.
Eine erfahrene Kinder- und Jugendärztin oder ein Neuropädiater, vor allem mithilfe der Hirnstromableitung (EEG), eines ausführlichen Gesprächs und weiterer Untersuchungen. Ein Video des Anfalls hilft bei der Einordnung.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei einem erstmaligen oder langen Anfall wähle den Notruf 112.
Quellen: kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Was ist Epilepsie · kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Hilfe beim Anfall · kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Epilepsie, Therapie
Jana Mielchen
Sehr geehrte Damen und Herren,
gibt es Infobroschüren, die für Kinder gemacht sind?
Es geht um ein Mädchen bei der die Krankheit diagnostiziert wurde und ich Ihr gerne ein spielerisches Helft dazu geben möchte um sich mit der Erkrankung vertraut zu machen.
Danke Jana Mielchen
Lisa
Hallo Jana,
Ich habe im Internet etwas zum Download gefunden, dass dir vielleicht weiterhilft: http://www.dein-gehirn.com/pdf/Epilepsie.pdf.
Alles Gute der Kleinen
Pamela
Hallo Lisa, ich vermisse in Deinem Artikel eine weitere leider eher unbekannte aber schulmedizinisch anerkannte Therapieform. Die Ketogene Diät. Unsere Tochter hat Absencen und wir haben uns gegen die Medikamente dafür für die Diät entschieden. Von bis zu 200 Absencen täglich konnten wir uns in nur wenigen Tagen nach der Diät über max. 20 täglich rießig freuen. Mit der zusätzlichen Gabe von CBD Öl gingen die Absencen sogar noch weiter zurück. Meine Tochter ist im Übrigen nicht geimpft. Ansonsten hat mir Dein Bericht sehr gut gefallen und ich freue mich mehr von Dir zu lesen.