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Regenbogenfamilien – bunte Familienmodelle

Autor

Lisa

Veröffentlicht

06.04.2016

Aktualisiert

12.09.2023

Regenbogenfamilien – bunte Familienmodelle

Für viele ist dieser Begriff völlig unbekannt, was nicht automatisch bedeuten muss, dass man eine Familienkonstellation wie diese grundsätzlich ablehnt. Aufklärung ist auch heute noch ein aktuelleres Thema denn je.

Der Begriff Regenbogenfamilie geht auf die Regenbogenflagge zurück, einem weltweiten Symbol für lesbische, schwule und bisexuelle Orientierung. Als Regenbogenfamilie wird eine Familie bezeichnet in denen Kinder leben, deren Eltern gleichgeschlechtlich orientiert sind.

Seit einigen Jahren gilt der erste Sonntag im Mai eines jeden Jahres, als internationaler Tag der Regenbogenfamilie, der Zeichen für mehr Akzeptanz und gesellschaftliche Toleranz für die Lebensform setzen soll.

Warum ist der Begriff Regenbogenfamilie noch so unbekannt?

Wirft man einen weltweiten Blick auf die Thematik, so stellt sich schnell heraus, dass in vielen Teilen der Welt die Regenbogenfamilie schon deswegen kein Thema ist, weil Homosexualität geächtet wird, rechtlich verboten ist, und mit zum Teil drastischen Strafen geahndet wird. Insbesondere große Teile des afrikanischen Kontinents und Teile Asiens sind von der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und der Einführung entsprechender Antidiskriminierungsgesetze weit entfernt.

Regenbogenfamilie als Familienmodell

Die verschiedenen Konstellationen die im Lebensmodell Regenbogenfamilie auftreten können, sind vielseitig.

So kann einer (oder auch beide) der gleichgeschlechtlichen Partner ein leibliches Kind aus einer früheren Beziehung mitbringen. Adoption, Pflegekinder, Leihmutterschaft, Samenspende und künstliche Befruchtung sind ebenfalls Themen in diesem Zusammenhang.

In Deutschland gilt, wie im großen Rest Europas, eine zunehmende Akzeptanz des Modells Regenbogenfamilie. Um aus einem gleichgeschlechtlichen Paar auch rechtlich eine Familie machen zu können, ist aber auch hier noch einiges zu tun. Neben der Gleichstellung von Lebensgemeinschaft und Ehe, ist hier das Adoptionsrecht ein weiterer wichtiger Punkt, mit dem sich auch das Bundesverfassungsgericht schon beschäftigt hat. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass Toleranz und Akzeptanz zwar enorm wichtig sind, eine klare rechtliche Regelung ist damit jedoch nicht zu ersetzen.

Auch die Option einer sogenannten Queer-Familie wird immer öfter thematisiert. Dieses Modell charakterisiert sich durch eine gemeinsame Elternschaft eins lesbischen und eines schwulen Elternpaares. Als Vorteil wird hier das Umgehen bürokratischer Hindernisse und die Kontaktmöglichkeit des Kindes zu beiden Elternteilen gesehen, nachteilig ist, dass diese Familienform vor dem Gesetz schlichtweg nicht existiert, was bei schwierigen Situationen zu rechtlichen Problemen führen kann.

Bei allen Fragen bezüglich diverser Gesetzesentwürfe und der Akzeptanz solcher Familienmodelle wird immer das Kindeswohl, ein Rechtsgut aus dem Deutschen Familienrecht, relevant sein. Wohl einer der umstrittensten Punkte im Hinblick auf Regenbogenfamilien. Denn, immer fällt die Frage: Gefährdet eine Regenbogenfamilie das Kindeswohl? Versuchen wir etwas positives in dieser Frage zu sehen: die psychische Gesundheit eines Kindes ist glücklicherweise auch in der heutigen, eher kinderarmen Gesellschaft, ein hohes Gut.

Gesellschaftliches Ansehen und Prognosen für die Zukunft

Abgesehen von einem kleinen, nach wie vor eher homophoben Teil der Bevölkerung, steigt die Akzeptanz von Regenbogenfamilien innerhalb der Gesellschaft kontinuierlich an. Es

hat sich inzwischen, entgegen weitverbreiteter Vorurteile, herausgestellt, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen nichts mit seiner Erziehungkompetenz zu tun hat.

Durch die Ergebnisse zahlreicher Studien konnten viele Vorurteile entkräftet werden. Untersucht wurde von verschiedenen Institutionen beispielsweise ob Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren leben, sich später selber auch eher gleichgeschlechtlich orientieren, ob sie mehr oder weniger Sozialkompetenz aufweisen als Kinder in heterosexuellen Beziehungen, oder auch, ob solche Kinder eher Vorurteilen ausgesetzt sind.

Inzwischen gilt es als erwiesen, dass die Elternrolle in Regenbogenfamilien besonders engagiert ausgefüllt wird, Viele gleichgeschlechtliche Paare haben sich sehr bewusst für ein Kind entschieden und erfüllen ihre Elternrolle überaus gewissenhaft. Statistisch gesehen sind Regenbogenfamilien finanziell oft besser gestellt als andere Familien unterscheiden sich im Alltag aber sonst kaum von anderen Familien. Durch die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz dieser Lebensform geht auch die Diskriminierung von Kindern die in diesen Familien leben, weiter zurück.

Der Begriff Familie befindet sich im gesellschaftlichen Wandel, neben dem klassischen Vater, Mutter, Kind Modell gibt es viele weitere Familienformen, und Regenbogenfamilie ist eine davon. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind längst ein Teil gesellschaftlicher Realität, zahlenmäßig auf dem Vormarsch und in vielen Teilen Europas ein akzeptiertes, ganz normales Lebensmodell.

Neues nicht sofort ablehnen

Wie bei vielen Themen die uns fremd sind, auch beispielsweise beim Thema „Behinderungen“ ist es wichtig, offen zu sein. Vorurteile sind völlig normal, sie sind menschlich. Sie zu leugnen ist Unsinn. Schließlich sind die meisten von uns mit einem völlig anderen Familienbild aufgewachsen, mit den klassischen Rollenbildern Vater und Mutter. Ein uns bisher fremdes Familienbild wie die Regenbogenfamilie können nur die wenigsten so auf Anhieb annehmen. Doch mal ganz ehrlich: Selbst das eigene Elternhaus ist so individuell, oft vielleicht auch nicht einfach, vielleicht auch von Problemen begleitet. Und so waren wir möglicherweise selbst mit dem klassischen Familienbild mal mehr, mal weniger glücklich. Unzufriedenheit mit den eigenen Elternhaus hängt eben nicht zwingend vom Geschlecht dessen ab. 

Wichtig ist es zuzulassen, Vorurteile auch revidieren zu dürfen. Lebenskonzepte die uns fremd sind machen erst einmal Angst, lassen viele Fragen offen. Doch nur wer sich traut Fragen zu stellen, Konzepte hinterfragt, Menschen kennen lernt die diese Konzepte leben und auch die Gefühle der Kinder mit einbezieht hat die Möglichkeit dazu seine Vorurteile abzubauen.

Sicherlich ist es nie leicht „anders“ zu sein. Doch glücklicherweise ändert sich unsere Gesellschaft dahingehend Stück für Stück. Das braucht Zeit. Vorzupreschen mit dem Eisenhammer a la „Akzeptiert das jetzt!“ ist womöglich auch nicht der richtige Weg.

Die Welt wandelt sich. Und womöglich gehen die heutigen Kinder später einmal viel lockerer mit dem neuen Modell Regenbogenfamilie um als wir es heute tun. Es wäre vieles viel einfacher.

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