Viele Eltern von kleinen Jungen sind verunsichert, wenn sich die Vorhaut nicht zurückschieben lässt, und fragen sich, ob das eine behandlungsbedürftige Phimose ist. Die beruhigende Antwort: Bei Babys und kleinen Kindern ist genau das der Normalzustand. Eine echte Behandlung ist nur selten und unter bestimmten Voraussetzungen nötig.
Hier liest du, warum eine verengte Vorhaut bei kleinen Jungen normal ist, warum du sie niemals gewaltsam zurückziehen darfst, wann eine Phimose wirklich behandelt werden muss und welche Behandlungen es gibt.
Kurz gesagt
Bei fast allen Jungen ist die Vorhaut bei der Geburt verengt oder verklebt und lässt sich nicht zurückziehen, das ist eine völlig normale, sogenannte physiologische Phimose. Sie löst sich im Lauf der Kindheit meist von selbst. Wichtig: Die Vorhaut niemals gewaltsam zurückstreifen, das kann Einrisse und Vernarbungen verursachen. Behandelt werden muss eine Phimose nur bei Beschwerden, etwa wiederholten Entzündungen, Problemen beim Wasserlassen oder wenn sie bis zur Pubertät bestehen bleibt. Erste Wahl ist dann eine Salbenbehandlung, eine Operation erst, wenn diese nicht hilft. Eine eingeklemmte Vorhaut (Paraphimose) ist ein Notfall.
Warum eine verengte Vorhaut bei kleinen Jungen normal ist
Nahezu alle Jungen kommen mit einer verengten oder mit der Eichel verklebten Vorhaut zur Welt. Diese physiologische Phimose ist kein Krankheitszeichen, sondern ein natürlicher Zustand, der schützt. Sie löst sich nach und nach von selbst, allerdings sehr unterschiedlich schnell. Auch im Vorschul- und Grundschulalter ist eine noch nicht zurückziehbare Vorhaut häufig und kein Grund zur Sorge, mit sieben Jahren ist noch etwa jeder zweite Junge betroffen, mit zehn Jahren noch etwa jeder dritte. Erst gegen Ende der Pubertät bleibt nur noch ein sehr kleiner Teil übrig. Eine verengte Vorhaut allein, ohne Beschwerden, ist also zunächst kein Behandlungsgrund.

Niemals gewaltsam zurückziehen
Das ist die wichtigste Regel: Die Vorhaut darf niemals mit Gewalt oder gegen einen Widerstand zurückgeschoben werden, auch nicht zum Reinigen. Das ist schmerzhaft und kann winzige Einrisse verursachen, die vernarben. Aus solchen Narben kann erst recht eine echte, behandlungsbedürftige Verengung entstehen. Für die Hygiene reicht es völlig, den Penis äußerlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen. Die Vorhaut wird nur so weit zurückgeschoben, wie es ganz ohne Mühe und Widerstand geht.
Wann muss eine Phimose behandelt werden?
Behandlungsbedürftig wird eine Phimose erst, wenn sie Beschwerden macht oder bestimmte Zeichen auftreten:
- Beschwerden beim Wasserlassen
Wenn das Wasserlassen schmerzt oder der Harnstrahl behindert ist. Ein kurzes, schmerzloses Aufblähen der Vorhaut allein ist dagegen noch kein Behandlungsgrund. - Wiederholte Entzündungen
Immer wiederkehrende Entzündungen der Eichel oder der Vorhaut sprechen für einen Behandlungsbedarf. - Vernarbte Verengung
Eine durch Narben verengte Vorhaut (sekundäre Phimose), etwa nach Einrissen oder bei bestimmten Hauterkrankungen, löst sich nicht von selbst. - Bestehen bis zur Pubertät
Bleibt die Verengung bis zur Pubertät bestehen oder verursacht sie Beschwerden, sollte sie behandelt werden.

Welche Behandlungen gibt es?
Ist eine Behandlung nötig, wird zunächst meist eine kortisonhaltige Salbe verordnet, die über einige Wochen ein- bis zweimal täglich auf die Vorhaut aufgetragen wird, oft begleitet von vorsichtigem Dehnen. Das macht die Vorhaut bei vielen Jungen wieder weicher und beweglich, sodass eine Operation gar nicht erst nötig ist. Erst wenn die Salbenbehandlung nicht ausreicht oder eine klare medizinische Notwendigkeit besteht, kommt ein Eingriff infrage. Dabei kann die Vorhaut oft erhalten werden, in bestimmten Fällen wird sie ganz entfernt. Die Salbe wird immer ärztlich verordnet, also nichts auf eigene Faust anwenden.
Ein echter Notfall ist die Paraphimose: Wird eine zu enge Vorhaut zurückgezogen und rutscht nicht wieder nach vorn, schnürt sie die Eichel ein, die dann anschwillt. Das ist sehr schmerzhaft und muss sofort ärztlich behandelt werden. Genau deshalb gilt die Regel, die Vorhaut bei kleinen Jungen nie gewaltsam zurückzuziehen.
Ob bei deinem Sohn eine Behandlung nötig ist, klärst du am besten in der Kinderarztpraxis. Weitere Themen findest du unter Kinderkrankheiten.
Häufige Fragen zur Phimose
Ja, das ist völlig normal. Fast alle Jungen kommen mit einer verengten oder verklebten Vorhaut zur Welt (physiologische Phimose). Sie löst sich im Lauf der Kindheit meist von selbst, mit sieben Jahren ist noch etwa jeder zweite Junge betroffen.
Nur so weit, wie es ganz ohne Widerstand geht. Niemals gewaltsam zurückziehen, das kann Einrisse und Vernarbungen verursachen, aus denen erst eine echte Verengung entsteht. Für die Hygiene reicht äußerliches Abspülen mit lauwarmem Wasser.
Erst bei Beschwerden: ballonartiges Aufblähen oder behinderter Harnstrahl beim Wasserlassen, wiederkehrende Entzündungen, eine narbig verengte Vorhaut oder wenn die Verengung bis zur Pubertät bestehen bleibt. Eine beschwerdefreie Verengung allein ist kein Behandlungsgrund.
Nein. Erste Wahl ist meist eine kortisonhaltige Salbe über einige Wochen, die bei vielen Jungen ausreicht. Eine Operation kommt erst infrage, wenn die Salbe nicht hilft oder eine klare medizinische Notwendigkeit besteht. Die Salbe immer nur nach ärztlicher Verordnung anwenden.
Ein Notfall: Wird eine zu enge Vorhaut zurückgezogen und rutscht nicht wieder nach vorn, schnürt sie die Eichel ein, die anschwillt. Das ist sehr schmerzhaft und muss sofort ärztlich behandelt werden. Deshalb die Vorhaut nie gewaltsam zurückziehen.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob bei deinem Kind eine Behandlung nötig ist, klärt die Kinderarztpraxis. Eine Paraphimose ist ein Notfall.
Quellen: IQWiG / gesundheitsinformation.de: Vorhautverengung (Phimose) · IQWiG / gesundheitsinformation.de: Wie wird eine Vorhautverengung behandelt? · kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Vorhautverengung (Phimose)
Yolanda
Thema vollständige Retrahierbarkeit des Präputium, Alter des Zurückziehenkönnens der Vorhaut: Von menschlicher Natur aus und bei bester Gesundheit erst mit 10,4 (zehn Komma vier!) Jahren und auch dann kann das erst jeder zweite Junge (Jakob Øster (1968); Hiroyuki Kayaba et al. (1996), Thorvaldsen and Meyhoff (2005)).
Kein Junge im Grundschulalter braucht eine zurückziehbare Vorhaut. Für etliche Jungen dauert es bis zum Abschluss der Pubertät, ehe die Vorhaut vollständig zurückgezogen werden kann.