Soll ich mein Kind impfen lassen, und wenn ja, wogegen und wann? Kaum ein Gesundheitsthema beschäftigt Eltern so sehr, und kaum eines ist so von Halbwissen und Sorgen umgeben. Dabei zählt Impfen zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen, die die Medizin kennt.
Hier bekommst du einen sachlichen Überblick: wie Impfen funktioniert, wer die Empfehlungen ausspricht, welche Impfungen wann anstehen, was es mit der Masern-Nachweispflicht auf sich hat und was an verbreiteten Impfsorgen wirklich dran ist.
Kurz gesagt
Impfungen trainieren das Immunsystem, sodass es echte Erreger schnell abwehren kann, ohne dass die Krankheit ausbricht. Welche Impfungen für Kinder empfohlen werden, legt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut fest. Die wichtigsten Standardimpfungen beginnen mit zwei Monaten. Seit 2020 gilt zudem eine Masern-Nachweispflicht für Kita und Schule. Die Sorge, Impfungen überlasteten das Immunsystem oder lösten Autismus aus, ist wissenschaftlich widerlegt.
Wie funktioniert eine Impfung?
Bei einer Impfung bekommt der Körper abgeschwächte oder abgetötete Erreger beziehungsweise einzelne Erregerbausteine, sogenannte Antigene. Das Immunsystem bildet daraufhin selbst Antikörper und Gedächtniszellen, ganz ohne dass die Krankheit ausbricht. Trifft der Körper später auf den echten Erreger, erkennt er ihn sofort wieder und wehrt ihn ab, bevor eine Erkrankung entsteht. Diesen Vorgang nennt man aktive Immunisierung.

Wer entscheidet, welche Impfungen empfohlen werden?
Die Empfehlungen kommen nicht von einzelnen Herstellern, sondern von der Ständigen Impfkommission, kurz STIKO. Das ist ein unabhängiges Expertengremium am Robert Koch-Institut, das den Nutzen und die Risiken jeder Impfung sorgfältig und nach wissenschaftlichen Kriterien bewertet. Auf Grundlage dieser Empfehlungen entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss, welche Impfungen die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen. Die empfohlenen Standardimpfungen sind also für die Familie in aller Regel kostenfrei.
Der Impfkalender: Welche Impfung wann?
Die folgenden Zeitpunkte richten sich nach dem aktuellen STIKO-Impfkalender. Die Sechsfach- und die Pneumokokken-Impfung werden seit einigen Jahren im sparsameren Schema mit drei statt vier Dosen gegeben. Für reife Säuglinge sieht der Kalender vor:
| Alter | Impfung gegen |
|---|---|
| Ab 6 Wochen | Rotaviren (Schluckimpfung, 2 oder 3 Dosen je nach Impfstoff). |
| 2 Monate | Sechsfach (Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Polio, Hepatitis B), Pneumokokken, Meningokokken B. |
| 4 Monate | Sechsfach und Pneumokokken (2. Dosis), Meningokokken B (2. Dosis). |
| 11 Monate | Sechsfach und Pneumokokken (Abschlussdosis). |
| 11 und 15 Monate | Masern-Mumps-Röteln (MMR) und Windpocken (jeweils 2 Dosen). |
| 12 Monate | Meningokokken B (Abschlussdosis). |
Frühgeborene bekommen bei der Sechsfach- und der Pneumokokken-Impfung eine zusätzliche Dosis mit drei Monaten. Später folgen Auffrischungen, etwa gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten im Vorschul- und Jugendalter sowie die Meningokokken-ACWY-Impfung mit zwölf bis vierzehn Jahren. Den genauen Plan für dein Kind bespricht die Kinderarztpraxis mit dir.

Die Masern-Nachweispflicht
Seit dem 1. März 2020 gilt das Masernschutzgesetz. Kinder müssen für die Aufnahme in Kita oder Schule einen Masernschutz nachweisen, in der Regel über die MMR-Impfung im gelben Impfheft. Ab einem Jahr ist mindestens eine, ab zwei Jahren sind zwei Impfungen nachzuweisen. Hintergrund ist, dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind, sondern schwere Komplikationen auslösen können und hochansteckend sind.
Was ist dran an den Impfsorgen?
Viele Sorgen rund ums Impfen halten sich hartnäckig, sind aber gut untersucht und widerlegt:
- Überlasten Impfungen das Immunsystem?
Nein. Das Immunsystem setzt sich täglich mit einer Vielzahl von Keimen auseinander. Die wenigen Antigene einer Impfung sind dagegen verschwindend gering und überfordern es nicht. - Lösen Impfungen Autismus aus?
Nein. Diese Behauptung geht auf eine gefälschte Studie zurück, die längst zurückgezogen wurde. Große Untersuchungen mit Millionen Kindern zeigen keinen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus. - Sind die Krankheiten nicht ohnehin verschwunden?
Sie sind selten geworden, gerade weil so viele Menschen geimpft sind. Sinkt die Impfquote, kehren sie zurück, das zeigen wiederkehrende Masernausbrüche.
Davon zu unterscheiden sind normale Impfreaktionen: Rötung, Schwellung oder Schmerz an der Einstichstelle, leichtes Fieber oder Quengeligkeit sind Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet, und klingen nach ein bis drei Tagen ab. Echte, schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Wenn dein Kind nach einer Impfung hohes Fieber bekommt oder du unsicher bist, wende dich an die Kinderarztpraxis.
Mehr zu einzelnen Impfungen liest du etwa in den Beiträgen zur Tetanus-Impfung und zur Zeckenimpfung (FSME). Eine Übersicht weiterer Themen findest du unter Kinderkrankheiten.
Häufige Fragen zum Impfen bei Kindern
Die Schluckimpfung gegen Rotaviren beginnt schon ab sechs Wochen. Die ersten Spritzen (Sechsfach, Pneumokokken, Meningokokken B) stehen mit zwei Monaten an. Den genauen Plan bespricht die Kinderarztpraxis mit dir.
Die Ständige Impfkommission (STIKO), ein unabhängiges Expertengremium am Robert Koch-Institut. Auf Basis ihrer Empfehlungen entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss über die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen.
Für die Aufnahme in Kita oder Schule ist seit dem Masernschutzgesetz 2020 ein Masernschutz nachzuweisen, meist über die MMR-Impfung. Ab einem Jahr mindestens eine, ab zwei Jahren zwei Impfungen.
Nein. Diese Behauptung beruht auf einer gefälschten und zurückgezogenen Studie. Große wissenschaftliche Untersuchungen mit Millionen Kindern zeigen keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus.
Rötung, Schwellung oder Schmerz an der Einstichstelle, leichtes Fieber und Quengeligkeit sind normale Reaktionen und klingen nach ein bis drei Tagen ab. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Bei hohem Fieber oder Unsicherheit die Kinderarztpraxis fragen.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Welche Impfungen für dein Kind anstehen, besprichst du in der Kinderarztpraxis.
Quellen: RKI / STIKO: Empfehlungen und Impfkalender · RKI: Masernschutzgesetz · BZgA / infektionsschutz.de: Impfungen für Kinder
carola87
Danke für die sachliche und ruhige Darstellung. Bei dem Thema wird so viel Panik gemacht, da tut es gut, einfach die Fakten und den Impfkalender übersichtlich zu haben.