Dein Kind hat eine ständig verstopfte Nase, atmet durch den Mund, schnarcht und ist immer wieder erkältet oder hat Ohrenentzündungen? Dann fällt schnell das Stichwort Polypen. Gemeint ist damit fast immer die vergrößerte Rachenmandel, ein im Kleinkindalter sehr häufiges und meist gut behandelbares Thema.
Hier liest du, was Polypen wirklich sind, warum sie Hörprobleme verursachen können, woran du sie erkennst und wann eine kleine Operation sinnvoll ist.
Kurz gesagt
Mit Polypen ist im Kindesalter fast immer die vergrößerte Rachenmandel (Adenoide) gemeint, nicht die echten Nasenpolypen der Erwachsenen. Sie sitzt hinter der Nase und ist bei kleinen Kindern oft vergrößert, weil das Immunsystem ständig arbeitet. Typisch sind behinderte Nasenatmung, Mundatmung, Schnarchen, näselnde Sprache und häufige Mittelohrentzündungen mit zeitweiser Hörminderung. Bei starken Beschwerden hilft eine kleine Operation, die Adenotomie. Mit dem Schulalter bildet sich die Rachenmandel meist von selbst zurück.
Was sind Polypen eigentlich?
Wichtig vorweg, weil es oft verwechselt wird: Die kindlichen Polypen sind die vergrößerte Rachenmandel, fachlich Adenoide genannt. Sie sitzt versteckt im oberen Rachen hinter der Nase und gehört zum Abwehrsystem. Das sind nicht dieselben Nasenpolypen, die Erwachsene in den Nasennebenhöhlen bekommen, die bei Kindern selten sind. Dass die Rachenmandel im Kindergartenalter zeitweise vergrößert ist, ist zunächst normal: Sie wächst durch die ständige Auseinandersetzung mit Erkältungserregern. Eine krankhafte Vergrößerung tritt meist zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf.

Woran erkenne ich vergrößerte Polypen?
Die vergrößerte Rachenmandel verlegt den Weg von der Nase zum Rachen. Daraus ergeben sich recht typische Anzeichen:
- Behinderte Nasenatmung und Mundatmung
Das Kind bekommt durch die Nase schlecht Luft und atmet deshalb fast ständig durch den offenen Mund, auch tagsüber. Die Nase wirkt dauernd verstopft. - Schnarchen und unruhiger Schlaf
Nachts schnarcht das Kind, schläft unruhig und ist morgens nicht erholt. In ausgeprägten Fällen kommt es zu Atemaussetzern. - Näselnde Sprache und Mundgeruch
Die Stimme klingt verändert und näselnd, oft besteht zusätzlich Mundgeruch. - Häufige Infekte und Ohrenentzündungen
Wiederkehrende Erkältungen, Nasennebenhöhlen- und vor allem Mittelohrentzündungen sind ein wichtiges Warnzeichen.
Warum Polypen aufs Ohr schlagen: der Paukenerguss
Die vergrößerte Rachenmandel kann den Eingang der Ohrtrompete blockieren, also der feinen Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr. Dann gleicht sich der Druck im Mittelohr nicht mehr aus, es entsteht ein Unterdruck und Flüssigkeit sammelt sich an, ein sogenannter Paukenerguss. Das Trommelfell schwingt schlechter, und das Kind hört vorübergehend schlechter. Das ist besonders heikel, weil eine länger anhaltende Hörminderung in den Jahren des Spracherwerbs die Sprachentwicklung beeinträchtigen kann. Deshalb sollten anhaltende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.

Untersuchung und Behandlung
Den Befund stellt der HNO-Arzt fest, der den Nasenrachen einsehen und das Mittelohr beurteilen kann. Bei deutlichen, anhaltenden Beschwerden wird die vergrößerte Rachenmandel operativ entfernt. Diese Adenotomie ist einer der häufigsten kleinen Eingriffe im Kindesalter: Sie dauert in der Regel nur etwa zehn bis zwanzig Minuten, findet unter kurzer Vollnarkose statt und wird meist ambulant durchgeführt. Liegt ein Paukenerguss vor, werden häufig zugleich kleine Paukenröhrchen eingesetzt, damit das Ohr belüftet wird und das Hören sich wieder normalisiert.
Nach dem Eingriff sollte das Kind sich etwa zwei Wochen körperlich schonen, der Eingriff selbst wird nur in infektfreiem Zustand durchgeführt. Und die gute Nachricht: Auch unbehandelt bildet sich die Rachenmandel in der Regel zum Schulalter hin von selbst zurück, die Operation überbrückt also vor allem die beschwerdereiche Zeit.
Mehr zum Thema Hörminderung liest du im Beitrag Hört mein Kind schlecht? und zur nächtlichen Atmung unter Schnarchen bei Kindern. Weitere Themen gibt es unter Kinderkrankheiten.
Häufige Fragen zu Polypen bei Kindern
Nein. Mit Polypen ist bei Kindern fast immer die vergrößerte Rachenmandel (Adenoide) hinter der Nase gemeint. Die echten Nasenpolypen in den Nasennebenhöhlen betreffen vor allem Erwachsene und sind bei Kindern selten.
Typisch sind eine dauernd behinderte Nasenatmung mit Mundatmung, Schnarchen und unruhiger Schlaf, eine näselnde Sprache, Mundgeruch sowie häufige Erkältungen und vor allem wiederkehrende Mittelohrentzündungen.
Die vergrößerte Rachenmandel kann die Ohrtrompete blockieren. Dann entsteht im Mittelohr ein Paukenerguss, also eine Flüssigkeitsansammlung, die das Hören vorübergehend mindert. In der Sprachlernphase kann das die Sprachentwicklung beeinträchtigen.
Die Adenotomie ist ein kleiner Routineeingriff, dauert meist zehn bis zwanzig Minuten, erfolgt unter kurzer Vollnarkose und in der Regel ambulant. Bei Paukenerguss werden oft zugleich Paukenröhrchen eingesetzt. Danach gilt etwa zwei Wochen körperliche Schonung.
Ja, in der Regel bildet sich die Rachenmandel zum Schulalter hin von selbst zurück. Eine Operation überbrückt vor allem die beschwerdereiche Zeit, wenn das Kind stark unter den Folgen leidet, etwa unter Hörminderung oder ständigen Infekten.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltender Mundatmung, Schnarchen oder Hörproblemen wende dich an die Kinderarzt- oder HNO-Praxis.
Quellen: HNO-Ärzte-im-Netz: Rachenmandel-Wucherung · HNO-Ärzte-im-Netz: Rachenmandel-Operation (Adenotomie) · kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Vergrößerte Mandeln können den Schlaf beeinträchtigen
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