Dein Kind wacht nachts weinend auf, fasst sich immer wieder ans Ohr und hat Fieber, oft mitten in einer Erkältung. Eine akute Mittelohrentzündung ist einer der häufigsten Gründe für plötzliche, heftige Ohrenschmerzen bei kleinen Kindern. So schmerzhaft sie ist, in den meisten Fällen klingt sie von allein wieder ab.
Die wichtigste Frage für Eltern ist meist: Was lindert jetzt die Schmerzen, und wann braucht mein Kind ein Antibiotikum? Hier liest du, woran du eine Mittelohrentzündung erkennst, was sofort hilft, wann Abwarten sinnvoll ist und wann dein Kind in die Praxis gehört.
Kurz gesagt
Eine Mittelohrentzündung entsteht oft als Folge einer Erkältung und macht plötzliche, stechende Ohrenschmerzen und Fieber. Bei etwa vier von fünf Kindern bessern sich die Beschwerden innerhalb von drei Tagen von allein. Im Vordergrund steht deshalb zunächst die Schmerzlinderung. Ein Antibiotikum ist nur in bestimmten Fällen nötig, etwa bei Babys oder schweren Verläufen. Zum Arzt gehören Kinder unter zwei Jahren, stark beeinträchtigte Kinder und Ohrenschmerzen, die länger als zwei Tage anhalten.
Woran erkenne ich eine Mittelohrentzündung?
Häufig kündigt sie sich im Verlauf eines Schnupfens an: Die Schleimhäute schwellen an, die Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr wird schlechter belüftet, und Krankheitserreger gelangen ins Mittelohr. Typische Zeichen sind:
| Zeichen | So zeigt es sich |
|---|---|
| Ohrenschmerzen | Stechend und pulsierend, oft plötzlich und nachts, im Liegen meist schlimmer. |
| Verhalten | Kleine Kinder schreien, sind unruhig und greifen sich wiederholt ans Ohr. |
| Begleitend | Häufig Fieber, manchmal ein vorausgehender oder begleitender Schnupfen. |
| Manchmal Ausfluss | Läuft Flüssigkeit aus dem Ohr, kann das Trommelfell leicht eingerissen sein, die Schmerzen lassen dann oft nach. |
Was hilft sofort? Schmerzlinderung zuerst
Weil die meisten Mittelohrentzündungen von allein ausheilen, steht das Lindern der Schmerzen am Anfang im Mittelpunkt. Das hilft deinem Kind durch die ersten Tage:
- Schmerzmittel nach Maß
Altersgerechte Schmerz- und Fiebermittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nach Anweisung der Praxis wirken zuverlässig gegen die Ohrenschmerzen. - Nase frei halten
Kindgerechte abschwellende Nasentropfen oder Nasenspülungen verbessern die Belüftung des Mittelohrs. Dosierung nach Alter beachten. - Erhöht schlafen
Ein leicht erhöhter Oberkörper kann den Druck im Ohr verringern und die Nacht erträglicher machen. - Ruhe und Wärme
Viele Kinder empfinden Wärme am Ohr als angenehm. Wichtig ist vor allem Ruhe und ausreichend trinken.
Wann ist ein Antibiotikum nötig?
Anders als früher wird heute nicht jede Mittelohrentzündung sofort mit einem Antibiotikum behandelt. Der Grund: In den ersten Tagen bringt es kaum zusätzliche Schmerzlinderung, kann aber Nebenwirkungen verursachen. Bei sonst gesunden Kindern ist deshalb ein abwartendes Beobachten unter guter Schmerzbehandlung oft vertretbar. Ein Antibiotikum wird vor allem dann eingesetzt, wenn das Kind jünger als sechs Monate ist, schwer krank wirkt oder hohes Fieber hat, beide Ohren zusammen mit Fieber betroffen sind oder sich die Beschwerden nach etwa zwei Tagen nicht bessern. Diese Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt.

Wann muss mein Kind zum Arzt?
In diesen Fällen solltest du dein Kind ärztlich untersuchen lassen:
- Kinder unter zwei Jahren
Bei den Kleinsten sollten Ohrenschmerzen immer zeitnah abgeklärt werden. - Schmerzen über zwei Tage
Wenn die Beschwerden trotz Schmerzmittel länger als etwa zwei Tage anhalten oder sich verschlimmern. - Schwer krankes Kind
Bei hohem Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl, Erbrechen oder wenn das Kind sehr schlapp wirkt. - Ausfluss oder Schwellung
Bei Flüssigkeit aus dem Ohr oder einer schmerzhaften Schwellung und Rötung hinter dem Ohr. - Hörprobleme
Wenn dein Kind nach der Erkrankung schlechter hört oder ein Hörverlust anhält, sollte das abgeklärt werden.
Kann ich einer Mittelohrentzündung vorbeugen?
Ganz verhindern lässt sie sich nicht, weil sie meist mit Erkältungen zusammenhängt. Einige Dinge senken das Risiko aber: die Nase bei Infekten frei halten, eine rauchfreie Umgebung für dein Kind und, bei Babys, das Stillen, das einen gewissen Schutz bietet. Auch die üblichen Hygieneregeln gegen Erkältungen helfen indirekt.
Bei begleitendem Schnupfen und Husten hilft auch unser Beitrag zu Husten bei Kindern. Eine Übersicht weiterer Themen findest du unter Kinderkrankheiten.
Häufige Fragen zur Mittelohrentzündung
Nein. Bei etwa vier von fünf Kindern bessern sich die Beschwerden innerhalb von drei Tagen von allein. Im Vordergrund steht die Schmerzlinderung. Ein Antibiotikum ist vor allem bei Babys, schweren Verläufen oder ausbleibender Besserung nach zwei Tagen nötig.
Altersgerechte Schmerz- und Fiebermittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nach ärztlicher Anweisung, dazu freie Atemwege durch kindgerechte Nasentropfen, ein leicht erhöhter Oberkörper beim Schlafen und Ruhe.
Bei Kindern unter zwei Jahren immer, außerdem wenn die Schmerzen länger als zwei Tage anhalten, das Kind schwer krank wirkt oder Flüssigkeit aus dem Ohr läuft beziehungsweise eine Schwellung hinter dem Ohr auftritt.
Bei den meisten Kindern bessern sich die Beschwerden innerhalb von etwa drei Tagen deutlich. Hält der Schmerz länger an oder verschlimmert er sich, gehört das ärztlich abgeklärt.
Ganz verhindern lässt sie sich nicht. Hilfreich sind freie Atemwege bei Erkältungen, eine rauchfreie Umgebung und bei Babys das Stillen, das einen gewissen Schutz bietet.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Babys, starken oder anhaltenden Ohrenschmerzen wende dich an die Kinderarztpraxis.
Quellen: kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Mittelohrentzündung, Therapie · BZgA / kindergesundheit-info.de: Atemwegsinfekte bei Kindern
kaffeeoma
Unser Sohn hatte ständig Mittelohrentzündungen, gefühlt jeden zweiten Monat. Diese nächtlichen Schreiattacken mit Griff ans Ohr kennen wohl alle betroffenen Eltern. Irgendwann kamen Paukenröhrchen und seitdem ist Ruhe.