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Histaminintoleranz bei Kindern: was wirklich dran ist

Veröffentlicht

01.03.2021

Aktualisiert

30.06.2026

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Histaminintoleranz bei Kindern: was wirklich dran ist

Nach bestimmten Lebensmitteln bekommt dein Kind Bauchweh, Kopfschmerzen, einen roten Kopf oder Hautausschlag, und im Internet stößt du schnell auf einen Begriff: Histaminintoleranz. Was zunächst nach einer klaren Erklärung klingt, ist bei genauerem Hinsehen deutlich komplizierter, und gerade bei Kindern ist Vorsicht angebracht.

Wir nehmen die Beschwerden deines Kindes ernst und ordnen das Thema ehrlich ein: Was steckt hinter der angenommenen Histaminintoleranz, wie gesichert ist sie bei Kindern, warum bestimmte Tests nichts taugen und wie du seriös vorgehst, ohne deinem Kind mit voreiligen Diäten zu schaden.

Was wird unter Histaminintoleranz verstanden?

Die Idee dahinter: Der Körper nimmt mit der Nahrung Histamin auf, einen natürlichen Botenstoff, und baut es normalerweise über Enzyme wieder ab, vor allem über die Diaminoxidase (DAO). Bei einer angenommenen Histaminintoleranz soll dieses Gleichgewicht gestört sein, sodass schon normale Mengen Histamin Beschwerden auslösen. Reich an Histamin sind zum Beispiel gereifter Käse, fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut und geräucherte oder verarbeitete Wurstwaren, Schokolade wird teils als möglicher Auslöser diskutiert. Der Gehalt schwankt je nach Reife und Lagerung stark.

Das Problem für die Einordnung: Die berichteten Beschwerden sind sehr unspezifisch. Hautrötungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme können unzählige andere Ursachen haben, was eine eindeutige Zuordnung schwierig macht.

Eine ausgewogene, bunte Ernährung ist für Kinder wichtig

Wie gesichert ist das bei Kindern?

Hier ist Ehrlichkeit wichtig: Die Histaminintoleranz ist wissenschaftlich umstritten. Es gibt keine eigene Behandlungsleitlinie für Kinder, und belastbare Studien zu Häufigkeit, Diagnose oder Behandlung im Kindesalter fehlen weitgehend. Dass das Thema in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit bekommen hat, bedeutet nicht, dass es wissenschaftlich gut gesichert ist. Eine Diagnose Histaminintoleranz sollte bei Kindern deshalb nur mit großer Zurückhaltung und ausschließlich fachärztlich gestellt werden.

Warum DAO-Tests nicht weiterhelfen

Im Handel und in manchen Praxen werden Tests angeboten, die eine Histaminintoleranz nachweisen sollen, etwa die Bestimmung des DAO-Werts im Blut oder von Histamin in Urin oder Stuhl. Fachgesellschaften sind hier eindeutig: Diese Tests sind nicht aussagekräftig und für die Diagnose ungeeignet. Einen verlässlichen Labortest gibt es schlicht nicht. Investiere also kein Geld in kommerzielle Selbsttests, deren Ergebnisse mehr verunsichern als klären.

Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch hilft bei der Abklärung

Wie geht man seriös vor?

Statt vorschneller Tests steht die sorgfältige ärztliche Abklärung am Anfang. Bewährt hat sich dieses Vorgehen:

Vorsicht mit strengen Diäten bei Kindern

Lebensmittel auf Verdacht dauerhaft und streng zu streichen, ist bei Kindern keine gute Idee. Eine einseitige Ernährung kann im Wachstum zu einer Mangelversorgung führen und nimmt deinem Kind unnötig Lebensqualität. Wenn einzelne histaminreiche Lebensmittel deinem Kind tatsächlich nicht bekommen, geht es eher darum, diese bewusst zu dosieren, als ganze Lebensmittelgruppen komplett zu verbannen. Eine professionelle Ernährungsberatung hilft, das ausgewogen zu gestalten.

Wann zum Arzt?

Hat dein Kind wiederkehrende, belastende Beschwerden nach dem Essen, gehört das ärztlich abgeklärt, am besten in der Kinderarztpraxis und bei Bedarf bei Spezialisten für Allergien oder Ernährung. So lässt sich klären, was wirklich dahintersteckt, und dein Kind bekommt eine Lösung, die hilft, statt es mit Verboten zu belasten.

Bei Verdacht auf eine echte Allergie hilft auch unser Beitrag zur Allergie bei Kindern. Eine Übersicht weiterer Themen findest du unter Kinderkrankheiten.

Häufige Fragen zu Histaminintoleranz bei Kindern

Der Begriff ist wissenschaftlich umstritten und nicht klar definiert. Gerade bei Kindern ist die Datenlage sehr dünn, eine eigene Leitlinie fehlt. Beschwerden sollten ernst genommen, aber zurückhaltend und fachärztlich eingeordnet werden.

Keiner zuverlässig. Die häufig angebotene DAO-Bestimmung im Blut sowie Histamin in Urin oder Stuhl sind laut Fachgesellschaften nicht aussagekräftig. Von kommerziellen Selbsttests ist abzuraten.

Über die ärztliche Abklärung mit Ausschluss echter Erkrankungen, ein Ernährungs- und Symptomtagebuch und gegebenenfalls einen begleiteten, zeitlich begrenzten Auslassversuch. Nicht auf eigene Faust Lebensmittel streichen.

Eine dauerhafte strenge Diät ist bei Kindern nicht zu empfehlen, sie kann zu Mangelernährung führen. Sinnvoller ist, einzelne Lebensmittel bewusst zu dosieren, am besten mit professioneller Ernährungsberatung.

Bei wiederkehrenden, belastenden Beschwerden nach dem Essen. Die Kinderarztpraxis und bei Bedarf Spezialisten für Allergien oder Ernährung klären, was wirklich dahintersteckt.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Lass wiederkehrende Beschwerden ärztlich abklären, bevor du die Ernährung deines Kindes umstellst.

Quellen: AWMF S1-Leitlinie: Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin (061-030) · Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Histaminunverträglichkeit · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Histamin

Kommentare

Kann eine Histaminintoleranz bei Kindern durch Einnahme von Betablockern ausgelöst bzw. begünstigt werden?

Jana Schultze

Hallo, das gleiche fragen wir uns auch, da unser Sohn in seinem ersten Lebensjahr regelmäßig Betablocker (wegen seines Hämagioms) nehmen musste. Hast du bereits eine fachlich fundierte Antwort dazu bekommen?

Lisa Dostmann

Hallo,

Betablocker sind bei manchen allergischen / atopischen Erkrankungen problematisch, z.B. wenn ein Asthma bronchiale vorliegt. Bitte die Medikation und Bedenken mit dem Kinderarzt besprechen.

Schöne Grüße
Lisa Dostmann


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