Ein Kind mit immer wieder aufgeblähtem Bauch, Durchfällen und ohne rechte Gewichtszunahme, ohne dass sich eine Ursache findet: Manchmal steckt eine Zöliakie dahinter, eine Autoimmunerkrankung, die durch Gluten ausgelöst wird. Sie ist gut behandelbar, aber bei der Diagnose gibt es einen entscheidenden Punkt, den viele Familien nicht kennen.
Hier liest du, was Zöliakie genau ist, woran du sie erkennst, warum du auf keinen Fall vor dem Arztbesuch auf Gluten verzichten solltest und wie die Behandlung aussieht.
Kurz gesagt
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem reagiert auf Gluten, das Klebereiweiß in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel, und schädigt dabei die Dünndarmschleimhaut. Sie ist weder eine Allergie noch eine einfache Unverträglichkeit. Anzeichen sind oft Durchfall, aufgeblähter Bauch, Bauchschmerzen und eine Gedeihstörung, manchmal aber auch nur unspezifische Beschwerden. Ganz wichtig: Vor der Diagnostik darf das Kind nicht glutenfrei essen, sonst sind die Tests verfälscht. Behandelt wird mit einer lebenslang strikt glutenfreien Ernährung, dann verschwinden die Beschwerden.
Was ist Zöliakie?
Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung bei entsprechend veranlagten Menschen. Isst das Kind Gluten, das Klebereiweiß in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel, reagiert sein Immunsystem überschießend und richtet sich gegen die eigene Dünndarmschleimhaut. Die feinen Zotten, die normalerweise die Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen, bilden sich zurück. Dadurch wird die Aufnahme von Nährstoffen gestört. Wichtig zur Einordnung: Zöliakie ist keine Allergie und auch keine einfache Unverträglichkeit, sondern eine eigenständige Autoimmunerkrankung.

Woran erkenne ich Zöliakie?
Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich, was die Diagnose erschwert. Häufige Anzeichen sind:
- Klassische Magen-Darm-Beschwerden
Anhaltender oder wiederkehrender Durchfall, ein aufgeblähter Bauch und Bauchschmerzen, oft im Kleinkindalter nach Einführung glutenhaltiger Beikost. - Gedeih- und Wachstumsstörung
Gewichtsverlust oder mangelnde Gewichtszunahme, vermindertes Wachstum und Kleinwuchs, weil dem Körper Nährstoffe fehlen. - Unspezifische Zeichen
Reizbarkeit und Müdigkeit, ein unklarer Eisenmangel oder Zahnschmelzdefekte können ebenfalls auf eine Zöliakie hinweisen. - Symptomarme Verläufe
Viele Betroffene haben nur geringe oder gar keine Beschwerden und bleiben deshalb lange unentdeckt.

Wichtig: Vor der Diagnose nicht glutenfrei essen!
Das ist der entscheidende Punkt, an dem viele gut gemeinte Versuche scheitern. Wenn du bei Verdacht auf Zöliakie schon vorsorglich Gluten weglässt, erholt sich der Darm und die Tests fallen falsch negativ aus, die Zöliakie lässt sich dann nicht zuverlässig nachweisen. Deshalb gilt: Lass dein Kind bis zum Abschluss der Diagnostik normal glutenhaltig essen und kläre den Verdacht ärztlich ab. Die Diagnose beginnt mit einem Bluttest auf bestimmte Antikörper, vor allem die Gewebs-Transglutaminase-Antikörper (tTG-IgA), dazu wird der Gesamt-IgA-Wert bestimmt, um einen Mangel auszuschließen. Je nach Ergebnis folgt eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm. Bei Kindern kann unter bestimmten Voraussetzungen darauf verzichtet werden, etwa bei sehr stark erhöhten Antikörperwerten mit einem zweiten bestätigenden Bluttest, das entscheidet eine spezialisierte kindergastroenterologische Praxis.
Behandlung und gutes Leben mit Zöliakie
Die Behandlung ist zugleich einfach und anspruchsvoll: eine lebenslang strikt glutenfreie Ernährung. Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel und alle daraus hergestellten Lebensmittel müssen konsequent gemieden werden. Schon kleine Mengen Gluten können der Schleimhaut schaden. Die gute Nachricht: Hält man die glutenfreie Ernährung ein, verschwinden die Beschwerden meist und die Dünndarmschleimhaut erholt sich vollständig. Eine Ernährungsberatung hilft, den Alltag, Kita und Schule sicher zu gestalten. Da Zöliakie familiär gehäuft auftritt und mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes verbunden sein kann, ist es sinnvoll, auch enge Angehörige im Blick zu behalten.
Wie sich Zöliakie von einer echten Allergie unterscheidet, liest du im Beitrag zur Nahrungsmittelallergie bei Kindern. Weitere Themen findest du unter Kinderkrankheiten.
Häufige Fragen zur Zöliakie bei Kindern
Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem auf Gluten reagiert und die Dünndarmschleimhaut schädigt. Gluten steckt in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. Zöliakie ist weder eine Allergie noch eine einfache Unverträglichkeit.
Oft an Durchfall, aufgeblähtem Bauch, Bauchschmerzen und mangelnder Gewichtszunahme, häufig nach Einführung glutenhaltiger Beikost. Es gibt aber auch unspezifische Zeichen wie Eisenmangel oder Müdigkeit und symptomarme Verläufe.
Nein, auf keinen Fall vor der Diagnose. Lässt du Gluten vorab weg, erholt sich der Darm und die Tests fallen falsch negativ aus. Lass dein Kind bis zum Abschluss der Diagnostik normal glutenhaltig essen und kläre den Verdacht ärztlich ab.
Zunächst mit einem Bluttest auf bestimmte Antikörper plus dem Gesamt-IgA-Wert. Je nach Ergebnis folgt eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm. Bei Kindern kann unter bestimmten Voraussetzungen darauf verzichtet werden. Das entscheidet eine spezialisierte Praxis.
Mit einer lebenslang strikt glutenfreien Ernährung. Werden Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel konsequent gemieden, verschwinden die Beschwerden meist und die Dünndarmschleimhaut erholt sich. Eine Ernährungsberatung hilft im Alltag.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Verzichte bei Verdacht nicht vorab auf Gluten, sondern kläre ihn in der Kinderarztpraxis ab.
Quellen: kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Zöliakie · IQWiG / gesundheitsinformation.de: Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) · IQWiG / gesundheitsinformation.de: Wie entsteht Zöliakie und wie wird sie behandelt?
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